Haltung und Zucht von Cricula trifenestrata/jordani (Goldfadenspinner)

Kurzbeschreibung der Art

Der Goldfadenspinner wird im Hobby meist unter Cricula jordani oder Cricula trifenestrata geführt. Die Bezeichnungen werden oft nebeneinander verwendet, und in Haltung, Entwicklung und Kokonbau sind sich die Tiere so ähnlich, dass die Praxis im Alltag praktisch gleich bleibt. Es handelt sich um einen asiatischen Pfauenspinner aus der Familie der Saturniidae, also um einen wilden Seidenspinner mit besonders auffälligem Kokon.

Goldfadenspinner Kokons

Die Eier sind klein, glatt und werden oft in Reihen oder kettenartig an Blattkanten abgelegt, teils auch dichter auf Blättern oder Gaze. Nach dem Schlupf sind die Raupen zunächst eher hell und noch zart gebaut, später werden sie deutlich kontrastreicher mit dunkler Grundfarbe, gelben Flecken, roten Akzenten und langen hellen Haaren. Gerade ältere Raupen wirken dadurch sehr markant. Der Kokon ist das auffälligste Merkmal der Art: leuchtend goldgelb, fein netzartig und oft in Gruppen dicht beieinander gesponnen. Die Falter sind ocker bis gelblich-rötlich gefärbt und tragen die typischen transparenten Fenster auf den Flügeln. Männchen wirken meist etwas schlanker und haben deutlich stärker gekämmte Antennen, Weibchen sind kräftiger gebaut. Die Raupen haben Häärchen, die leicht pieksen an der Haut. Besse nicht berühren.

Natürliche Lebensweise

Goldfadenspinner stammen aus dem tropischen Asien und kommen dort in verschiedenen Regionen Süd- und Südostasiens vor. Die Art ist polyphag, also nicht auf nur eine einzige Futterpflanze festgelegt, und kann deshalb an sehr unterschiedlichen Gehölzen leben. In warmen Regionen sind mehrere Generationen pro Jahr möglich. Gleichzeitig zeigt die Art eine gewisse biologische Flexibilität, sodass einzelne Eier oder Puppen auch einmal länger brauchen können.

Die Entwicklung verläuft oft erfreulich zügig. Das Ei benötigt meist rund 10-20 Tage bis zum Schlupf. Die Raupenzeit liegt im Mittel bei etwa 35 Tagen. Danach folgt eine kurze Vorpuppenphase von rund 2 Tagen. Die Puppe im goldenen Kokon braucht oft etwa 18 Tage bis zum Schlupf. Insgesamt ist die Entwicklung vom Ei bis zum Falter damit häufig in ungefähr 2 Monaten abgeschlossen, bei Wärme oft schneller, unter kühleren oder wechselnden Bedingungen auch spürbar langsamer.

Typisch ist das soziale Verhalten der Raupen. Vor allem in den frühen Stadien sitzen sie gern zusammen, fressen gemeinsam und häuten sich oft fast synchron. Später werden sie etwas lockerer, kurz vor der Verpuppung sammeln sie sich aber häufig wieder und spinnen dann nicht selten ganze Kokonverbände statt sauber verteilter Einzelkokons. Genau dieses enge, gruppenweise Anspinnen macht den Goldfadenspinner biologisch und optisch besonders interessant.

Futterpflanzen für den Goldfadenspinner

Die Raupe des Goldfadenspinners frisst eine erstaunlich breite Auswahl an Gehölzen. Dadurch ist Cricula jordani beziehungsweise Cricula trifenestrata im Alltag meist unkompliziert zu führen, solange die Futterpflanze wirklich frisch, ungespritzt und nicht bereits zäh oder innerlich ausgetrocknet ist. Besonders häufig werden Mango, Cashew, Zimt, Spondias, Litsea-Arten, Machilus, Persea, Eiche, Weide, Kirsche, Pflaume, Schlehe, Apfel, Birne, Weißdorn, Buche und Eukalyptus beschrieben. In der Haltung funktionieren oft auch Rhododendron, Kirschlorbeer, Feuerdorn und Rose sehr gut.

Welche Futterpflanze eine Linie am liebsten annimmt, kann sich etwas unterscheiden. Wenn eine Raupe bereits sicher an einer bestimmten Pflanze frisst, ist dieselbe Pflanze oder ein nah verwandtes Gehölz meist die einfachste Wahl. Ein Futterwechsel gelingt am besten mit sehr frischen Blättern, an die die Raupen direkt gesetzt werden, damit sie nicht unnötig suchen müssen.

Vorbereitung

Für die Startphase werden die Eier in einem sehr kleinen Behälter gehalten, zum Beispiel in einem kleinen Wasserglas, luftdicht mit Klarsichtfolie verschlossen und nur gelegentlich kurz gelüftet. So bleiben die Eier sicher beisammen, die Jungraupen finden nach dem Schlupf sofort das nahe Futter, und das Risiko von Austrocknung oder Ausbruch wird minimiert.

Goldfadenspinner Raupen

Goldfadenspinner im frühen Stadium

Für den Start reichen oft Glas/kleine Dose, passende Futterpflanzen. Ein Netz oder ein selbst gebautes Habitat macht es später einfacher und luftiger. Wer es besonders sauber und bequem möchte, kann ein Komplettset nutzen.

Goldfadenspinner Raupe an Futterpflanze

Sobald mit Zweigen gearbeitet wird, ist ein Aufbau sinnvoll, der die Blätter frisch hält, ohne dass Wasser offen im Aufzuchtbereich steht. Dafür sind Futterröhrchen mit Silikondeckel eine saubere Lösung. Ebenso hilfreich ist ein schlichtes, luftiges Grundsetup. Wer sich dafür eine einfache Orientierung holen möchte, findet unter Raupenhabitat selber bauen eine passende Grundlage.

Aufzucht und Haltung

Nach dem Schlupf bleiben die Jungraupen zunächst im kleinen, sicheren Startbehälter. Dort bekommen sie nur wenig, aber sehr frisches Futter direkt in Reichweite. Diese Art ist in den ersten Stadien gesellig, deshalb dürfen die Raupen ruhig zusammenbleiben. Das passt gut zu ihrem natürlichen Verhalten. Wichtig ist vor allem, dass das Behältnis übersichtlich bleibt, die Raupen das Futter sofort finden und das Blattmaterial nicht antrocknet.

Mit zunehmender Größe steigt der Futterbedarf deutlich. Dann ist ein luftiger Umzug sinnvoll, damit das Mikroklima stabil bleibt und keine stehende Feuchtigkeit entsteht. Größere Raupen sitzen gern auf frischen Zweigen und entwickeln sich in einem gut belüfteten, geschützten Raum meist sehr zuverlässig. Praktisch ist dafür ein Netzkäfig für Schmetterlinge und Raupen, auch wenn sich mit einfachen Haushaltsmitteln ebenfalls gut arbeiten lässt.

Typische Probleme entstehen weniger durch die Art selbst als durch altes Futter, zu große Startbehälter, unnötig hektisches Umsetzen oder dauerhaft feuchte, schlecht belüftete Verhältnisse. Wenn Raupen plötzlich zögerlich werden, nicht richtig fressen oder eine neue Futterpflanze schlecht annehmen, hilft meist eine ruhige Fehlersuche bei Futterfrische, Platzangebot und Mikroklima. Dafür ist Wenn Raupen nicht fressen – mögliche Ursachen & Tipps eine sinnvolle Ergänzung.

Goldfadenspinner Raupenstadium

Zur Verpuppung suchen die Raupen ruhige Bereiche und beginnen dann mit dem Kokonbau, der erstaunlich schnell abgeschlossen sein kann. Kokons werden häufig in Gruppen in enger Nachbarschaft angelegt, teils sogar als richtige Cluster oder netzartige Verbände. Das ist normal und sollte nicht künstlich getrennt werden, solange ausreichend Platz und Luft vorhanden sind.

Die goldenen Seidenkokons können sehr unkompliziert gehalten werden. Sie dürfen einfach trocken und ruhig am Boden liegen, solange die später schlüpfenden Falter direkt nach dem Schlupf gut nach oben klettern können. Genau das ist entscheidend: Die Tiere müssen eine raue Wand, Gaze, Papier oder eingestellte Zweige erreichen können, damit sie sich festhalten und die Flügel frei entfalten können. Glatte Seitenwände sind dafür ungünstig und können beim Schlupf zum Problem werden.

Wer den Schlupf besonders sicher vorbereiten möchte, kann zusätzlich Zweige oder andere raue Kletterflächen in das Habitat geben. Das ist bei dieser Art meist schon völlig ausreichend. Bei hängenden Puppen anderer Arten ist ein Aufhängen oft wichtiger, beim Goldfadenspinner mit seinem festen Seidenkokon funktioniert die bodennahe Haltung dagegen in der Regel gut, solange die Falter nach dem Schlupf sofort passende Kletterstrukturen finden.

Goldene Kokons des Goldfadenspinners

Paarung und Zucht von Goldfadenspinner

Die Paarung gelingt bei dieser Art meist recht gut, wenn mehrere frisch geschlüpfte Falter gleichzeitig verfügbar sind und sie ruhig, warm und luftig untergebracht werden. Ein ausreichend großer Käfig mit etwas Struktur und guter Luftzirkulation ist dafür meist schon genug. Die Männchen sind aktiver und suchen das Weibchen vor allem in den Abend- und Nachtstunden, nicht selten aber auch noch in den frühen Morgen hinein. Eine natürliche Dämmerung ist dabei hilfreich. Ständiges plötzliches Licht in einem dunklen Raum stört eher.

Nach erfolgreicher Paarung werden die Eier je nach Situation in Reihen, kettenartig an Kanten oder auch dichter in Gruppen abgelegt. Danach lassen sie sich wieder in der bewährten Start-Haltung im sehr kleinen, mit Klarsichtfolie verschlossenen Behälter weiterführen. Für die Zuchtplanung ist außerdem interessant, dass weibliche Kokons oft etwas größer ausfallen, auch wenn das kein sicheres Einzelmerkmal ist.

Goldfadenspinner Falter

Was noch zu sagen ist

Der Goldfadenspinner ist eine auffällige, vergleichsweise robuste Art mit schnellem Entwicklungszyklus, breiter Futterwahl und einem der schönsten Kokons im ganzen Hobby. Gerade die Kombination aus geselligen Jungraupen, goldgelbem Gespinst und den fensterartigen Flügeln der Falter macht die Zucht besonders reizvoll. In warmen Phasen läuft die Entwicklung oft erstaunlich schnell, und weil die Raupe viele Gehölze frisst, ist die Art auch für Einsteiger gut geeignet, wenn frisches Blattwerk zuverlässig vorhanden ist.

Unter den Namen Cricula jordani und Cricula trifenestrata werden im Hobby sehr nahe verwandte Tiere geführt. Für die praktische Haltung ist das meist zweitrangig, weil Entwicklung, Verhalten und Futterpflanzenwahl weitgehend gleich laufen. Wer die Art selbst beobachten möchte, findet am Ende des Entwicklungswegs genau das, was den Goldfadenspinner so besonders macht: markante Raupen, goldene Kokons und kleine, sehr charaktervolle Falter mit transparenten Flügelfenstern.

Wenn du die Art selbst pflegen und beobachten möchtest, findest du den Goldfadenspinner (Cricula jordani/trifenestrata) direkt im Shop.