Haltung und Zucht vom Wiener Nachtpfauenauge (Saturnia pyri)

Haltung und Zucht von Saturnia pyri – Wiener Nachtpfauenauge

Kurzbeschreibung der Art

Das Wiener Nachtpfauenauge (Saturnia pyri) ist ein Pfauenspinner und der größte in Europa vorkommende Nachtfalter. Die Falter sind dunkelbraun gefärbt und tragen auf jedem Flügel einen auffälligen Augenfleck. Die Flügelspannweite liegt meist bei 10 bis 14 cm. Männchen und Weibchen unterscheiden sich gut an den Fühlern, die beim Männchen deutlich stärker gekämmt sind. Die adulten Tiere nehmen keine Nahrung auf; ihr kurzer Falter-Lebensabschnitt dient der Fortpflanzung und spielt sich überwiegend nachts ab.

Natürliche Lebensweise

Saturnia pyri kommt schwerpunktmäßig in Südeuropa und Nordafrika vor und reicht in wärmere Regionen Mitteleuropas, in Österreich vor allem in den Osten. Typisch sind warme, buschreiche Landschaften, Waldränder, Parks, Alleen, verwilderte Gärten sowie Obstgärten und offen-verbuschtes Gelände. In Deutschland gilt die Art als extrem selten; historische und randständige Vorkommen werden diskutiert, eine aktuelle Etablierung ist unsicher, einzelne Nachweise werden teils als Verschleppung oder Freilassung von Zuchttieren eingeordnet.

Als Belastungen gelten unter anderem Insektizideinsatz in Obstkulturen sowie Lichtquellen: Die Falter fliegen künstliches Licht an und können sich dabei verletzen. Weibchen legen bis etwa 200 rötliche, braun gefleckte Eier in kleinen Gruppen an Zweige geeigneter Futterpflanzen.

Futterpflanzen für Wiener Nachtpfauenauge

Als Saturnia pyri Futterpflanzen frisst die Raupe besonders gern Gehölze aus Gärten, Obstwiesen und warmen Gebüschen. Geeignete Futterpflanze ist zum Beispiel: Walnuss (Juglans regia), Apfel (Malus domestica), Birne (Pyrus communis), Zwetschge (Prunus domestica), Schlehe (Prunus spinosa), Vogelkirsche (Prunus avium), Traubenkirsche (Prunus padus), Felsenkirsche (Prunus mahaleb), Mandel (Prunus dulcis), Aprikose (Prunus armeniaca), Quitte (Cydonia oblonga), Weißdorn (Crataegus), Brombeere (Rubus fruticosus agg.), Himbeere (Rubus idaeus), Esche (Fraxinus excelsior), Ulme (Ulmus), Weide (Salix), Pappel (Populus), Erle (Alnus), Ahorn (Acer), Bergahorn (Acer pseudoplatanus), Rotbuche (Fagus sylvatica), Hasel (Corylus avellana), Edelkastanie (Castanea sativa), Platane (Platanus), Linde (Tilia), Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), Flieder (Syringa vulgaris), Olive (Olea europaea), Amberbaum (Liquidambar), Essigbaum (Rhus typhina), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus).

Wichtig ist stets sehr frisches, gut versorgtes Schnittgrün. Welke Blätter werden schlecht toleriert. Zweige sollten stabil mit Wasser versorgt werden, damit die Raupe kontinuierlich frisst und gleichmäßig wächst.

Vorbereitung

Für eine Wiener Nachtpfauenauge Zucht ist ein ruhiger, sauberer Start entscheidend. Eier werden in einem sehr kleinen Behälter gehalten (z. B. kleines Wasserglas), luftdicht mit Klarsichtfolie verschlossen, nur gelegentlich kurz lüften. Küchenpapier als Unterlage reicht aus. Ein Platz ohne direkte Sonne und ohne starke Temperaturschwankungen ist ideal.

Zur Saturnia pyri Ei Schlupf Dauer gelten Richtwerte zur Orientierung: Bei warmer, stabiler Haltung schlüpfen die Eier häufig nach 11 Tagen. Temperatur und allgemeine Bedingungen können das Eistadium verkürzen oder verlängern.

Für den Start reichen oft Glas/kleine Dose, Küchenpapier und passende Futterpflanzen. Ein Netz oder ein selbst gebautes Habitat macht es später einfacher und luftiger. Wer es besonders sauber und bequem möchte, kann ein Komplettset nutzen.

Aufzucht und Haltung

Das Raupenstadium dauert meist mehrere Wochen; als Richtwert sind 7 Wochen bis zum Einspinnen häufig realistisch, je nach Temperatur und Futterqualität auch länger. Jungraupen profitieren von ruhigen Bedingungen und konstant frischem Futter. Später werden die Raupen sehr groß und massig; ausgewachsen erreichen sie etwa 12 cm. Jungraupen sind zunächst dunkel bis schwarz mit farbigen Warzen, später werden sie leuchtend gelbgrün und tragen Reihen erhabener, bläulicher Warzen.

Klima und Hygiene sollten sich mit dem Wachstum anpassen: Frühe Stadien können etwas feuchter stehen, spätere Stadien eher warm, trocken und sehr gut belüftet. Zu feucht und zu schlecht belüftet erhöht das Risiko von Infektionen. 

Für eine saubere Futterversorgung im Alltag sind stabile, auslaufsichere Wasserstellen für Zweige hilfreich. Ein Futterröhrchen mit Silikondeckel ist eine bequeme Lösung, funktioniert aber grundsätzlich auch mit einem einfachen Wasserglas, wenn die Zweige sicher stehen und keine Tiere hineinfallen können.

Paarung und Zucht von Wiener Nachtpfauenauge

Die Falter werden nachts aktiv. Männchen suchen häufig zwischen Eintritt der Dunkelheit und Mitternacht; Paarungen können sehr kurz sein und auch in der zweiten Nachthälfte stattfinden. Ein ausreichend großer, ruhiger Flugkasten hilft, damit sich die Tiere finden. Ein Netzkäfig für Schmetterlinge und Raupen macht das Handling luftiger und reduziert Stress, ist aber nicht zwingend, wenn eine saubere, gut belüftete Alternative vorhanden ist.

Wenn Paarung ausbleibt, ist es sinnvoll, die Geschlechter zunächst getrennt zu halten und ein Männchen erst bei deutlich aktivem, „lockendem“ Weibchen zuzusetzen. Bei Bedarf kann ein Männchenwechsel helfen. Kühlhaltung und Dauerbeleuchtung können die Aktivität dämpfen, bis ein passender Partner verfügbar ist.

Saturnia pyri unbefruchtete Eier kommen vor, wenn kein erfolgreicher Paarungsakt stattgefunden hat. Solche Eier trocknen ein und führen nicht zur Nachzucht. Der Zuchterfolg zeigt sich zuverlässig über befruchtete Eier und den späteren Schlupf.

Was noch zu sagen ist

Beim Einspinnen entsteht ein fester, pergamentartiger Kokon, häufig bodennah oder am unteren Teil von Stämmen. Auffällig ist eine borstige „Reuse“ am Kokonende: Sie erschwert Feinden den Zugang und erleichtert dem fertigen Falter dennoch den Schlupf. Beim Saturnia pyri Kokon überwintern ist Geduld normal. Die Puppenruhe umfasst meist mindestens einen Winter; eine Saturnia pyri mehrjährige Diapause mit zwei oder sogar drei Überwinterungen ist möglich.

Ein besonderer Aha-Effekt steckt auch in der Raupe: Saturnia-pyri-Raupen können Warnsignale als Ultraschall erzeugen, teils begleitet von hörbaren Klicks. Beim Schlupf wird zudem beschrieben, dass die Eiraupe ein Sekret nutzt, das die Eischale lokal anlöst und den Austritt erleichtert.

Wiener Nachtpfauenauge im Garten unterstützen

In Deutschland ist Saturnia pyri extrem selten. Sinnvoll ist daher vor allem, allgemein strukturreiche, pestizidfreie Lebensräume zu fördern und keine Tiere auszusetzen. Entscheidend ist nicht ein Blütenbuffet, sondern dass Raupen Lebensräume und Futterpflanzen finden. Wer wilde Bereiche im Garten zulässt, bekommt automatisch mehr Insektenvielfalt, ohne zusätzlichen Pflegeaufwand.

Ein Praxisbeispiel funktioniert besonders zuverlässig: Eine Fläche von mindestens etwa 3 × 3 m, vorher gepflegt (z. B. Rasen), bleibt einfach in Ruhe. Mindestens 2 Jahre nicht mähen, nicht düngen, wenig betreten. Die Fläche sollte mehrere Jahre wild bleiben, weil viele Insekten darin überwintern. Später kann zurückgepflegt werden, während an anderer Stelle eine neue wilde Ecke entsteht.

Artspezifisch hilft vor allem das Zulassen und Pflanzen geeigneter Gehölze als Futterpflanze, denn die Raupe frisst an Obstbäumen und Sträuchern wie Apfel, Birne, Pflaume, Schlehe, Weißdorn oder auch Walnuss. Es versteht sich von selbst, das man im eigenen Garten komplett auf Gifte verzichtet. Da die Falter Licht anfliegen, reduziert zurückhaltende Außenbeleuchtung in warmen Nächten unnötige Verluste. Beim Winterräumen lohnt sich ein Blick auf bodennahe Bereiche und untere Stammzonen, weil Kokons dort eher zu finden sind; grobes Abräumen und vollständiges „Sauberputzen“ nimmt vielen Arten sichere Überwinterungsplätze.

Saturnia pyri ist als Art im Shop verfügbar: Wiener Nachtpfauenauge (Saturnia pyri).