Haltung und Zucht vom Birkenspinner (Endromis versicolora)

Haltung und Zucht von Endromis versicolora (Linnaeus, 1758) – Birkenspinner

Kurzbeschreibung der Art

Endromis versicolora, der Birkenspinner (auch Scheckflügel; in Großbritannien Kentish Glory), ist ein früher Nachtfalter aus der Familie Endromidae. Die Art fällt durch starken Größen- und Farbunterschied der Geschlechter auf: Männchen sind kleiner, sehr kontrastreich und mit stark gefiederten Fühlern; Weibchen sind deutlich größer, heller und insgesamt massiger. Die Spannweite liegt grob bei etwa 50–70 mm. Die Falter nehmen keine Nahrung auf, leben als Imago nur kurz und konzentrieren sich vollständig auf Paarung und Eiablage.

Natürliche Lebensweise

Der Birkenspinner lebt in birkenreichen, lichten Wald- und Randstrukturen, in Sukzessionsflächen mit Birkenaufwuchs, an Waldrändern sowie in Randbereichen von Mooren, Heiden und sandigen Standorten, sofern Birken in passender Struktur vorhanden sind. Typisch ist eine sehr frühe Aktivität: Falter Ende Februar ist in warmen Jahren möglich; Flugzeit März April ist häufig. Männchen suchen aktiv im schnellen Suchflug, teils auch am Tag, während Weibchen eher sitzen und über Duftstoffe Männchen anlocken. Das Konzept Lockweibchen ist daher biologisch naheliegend: Das Weibchen muss nicht viel fliegen, entscheidend ist ein ruhiger Sitzplatz mit Luftbewegung.

Die Eiablage erfolgt bevorzugt an dünnen Birkenzweigen, oft in Reihen oder gruppiert um den Zweig. Die Eier sind anfangs gelb und dunkeln vor dem Schlupf deutlich nach. Jungraupen leben zunächst gesellig, später werden sie einzeln und fressen überwiegend in den Birkenkronen. Die ausgewachsene Raupe ist grün, mit hellen schrägen Seitenzeichnungen und feiner dunkler Punktierung; ein markanter spitzer Höcker am Hinterleib ist typisch. Die Verpuppung im Boden erfolgt in einem grob gesponnenen Kokon im Bodenstreu; Kokon im Moos bzw. in moosig-laubiger Streu ist häufig. Die Puppe überwintern ist der Normalfall; gelegentlich kommt auch eine verlängerte Ruhephase vor (Diapause 2 Jahre ist möglich).

Futterpflanzen für Birkenspinner

Die Birkenspinner Raupe ist stark an Birke gebunden: Endromis versicolora Raupe frisst zuverlässig an Betula pendula, Betula pubescens, Betula spp. Ebenfalls gut passend sind Erlen, besonders Alnus glutinosa, Alnus incana, Alnus spp. (Alnus glutinosa Raupe). Corylus avellana (Hasel) wird gelegentlich angenommen, ist aber deutlich weniger verlässlich als Birke und Erle. Weitere Gehölze werden vereinzelt probiert (z. B. Carpinus betulus, Tilia spp., Salix spp., Ulmus spp., Fagus sylvatica, Quercus spp., Juglans spp.), sind jedoch im Vergleich zum Kernspektrum nicht als stabile Basis zu empfehlen. Für die Praxis gilt: Betula pendula Raupe ist das sicherste Leitbild – frische, ungespritzte Triebe sind wichtiger als „exotische“ Alternativen.

Vorbereitung

Der Zeitplan ist bei dieser Art ein Erfolgsfaktor: Durch die frühe Flugzeit kann Schlupf stattfinden, bevor draußen ausreichend Laub verfügbar ist. Eier 10–14 Tage ist ein typischer Rahmen, in der Praxis liegt das Eistadium oft um 12 Tage; kühle Lagerung kann den Schlupf verzögern und hilft, ihn mit dem Austrieb der Birken zu synchronisieren.

Eier werden in einem sehr kleinen Behälter gehalten (z. B. kleines Wasserglas), luftdicht mit Klarsichtfolie verschlossen, nur gelegentlich kurz lüften. Ein kleines Stück Küchenpapier sorgt für Ordnung, ohne unnötig Feuchtigkeit einzutragen. Sobald die Raupen schlüpfen, wird das Setup schrittweise luftiger, damit keine warme, stehende Luft entsteht.

Für winzige Jungraupen kann ein kleiner, gut kontrollierbarer Behälter praktisch sein; dafür eignet sich ein Jungraupen- und Eierbehälter als saubere, übersichtliche Lösung. Wichtig ist unabhängig vom Behälter: ungespritzte Futterzweige, ruhiger Standort, keine unnötigen Erschütterungen und konsequentes Beschriften (Art, Datum, Linie).

Für den Start reichen oft Glas/kleine Dose, Küchenpapier und passende Futterpflanzen. Ein Netz oder ein selbst gebautes Habitat macht es später einfacher und luftiger. Wer es besonders sauber und bequem möchte, kann ein Komplettset nutzen.

Aufzucht und Haltung

Nach dem Schlupf brauchen die Jungraupen Ruhe, sehr frisches Birkenlaub und ein trocken-luftiges Mikroklima. Anfangs können sie noch in kleinen Gruppen sitzen, später steigt die Belastung durch Kot und Feuchte stark an. Ab mittleren Stadien ist mehr Luft das wichtigste „Werkzeug“: Zucht im Gazekäfig bzw. sehr luftige Haltung (gern auch draußen, gut geschützt) reduziert Probleme deutlich. Überbesatz ist ein häufiger Auslöser für Raupenkrankheit Infektion Hygiene – zu viele Tiere in zu wenig Volumen kippen das Klima schnell.

Blätter werden nicht nass eingelagert, Kondenswasser wird vermieden, und Futter wird konsequent frisch gehalten. Wenn Raupen plötzlich zögerlich werden oder nicht fressen, liegt es sehr oft am Mikroklima (zu warm, zu feucht, zu wenig Luft) oder an nicht optimal frischem Futter. Eine kompakte Fehlersuche mit typischen Ursachen und Gegenmaßnahmen steht in Wenn Raupen nicht fressen – mögliche Ursachen & Tipps.

Für die Vorpuppenphase sollten die Tiere eine bodennahe Zone mit laubig-moosiger Streu bekommen, damit sie den Kokon anlegen können, ohne dass alles zu einem „Klumpen“ zusammenklebt. Danach gilt: kühl, ruhig, nicht austrocknen lassen, aber auch nicht dauerhaft nass halten. Eine praxisnahe Orientierung zur Lagerung gibt Puppen überwintern.

Paarung und Zucht von Birkenspinner

Die Paarung gelingt am besten mit frisch geschlüpften Faltern. Weibchen sitzen oft ruhig und locken Männchen über Duftstoffe; Männchen fliegen aktiv an, teils schon bei Sonne und Wärme. Anflug mit Weibchen funktioniert am zuverlässigsten in einem ruhigen, luftigen Setup ohne dauernde Störungen. Die Kopulation dauert oft um 1 Stunde, kann aber auch deutlich kürzer oder mehrere Stunden sein.

Für eine saubere Zucht hilft ein großzügiges, luftiges Aerarium, in dem die Tiere nicht an glatten Wänden Flügel beschädigen. Ein Netzkäfig für Schmetterlinge und Raupen ist dafür eine bequeme, sehr tierfreundliche Option; genauso möglich ist ein einfacher, sauber gebauter Eigenbau. Nach erfolgreicher Paarung werden frische, dünne Birkenzweige angeboten. Weibchen legen häufig Gruppen von etwa 10–20 Eiern, insgesamt grob bis etwa 200 Eier, bevorzugt an äußeren Triebspitzen.

Was noch zu sagen ist

Die Art ist lokal oft selten und kann trotz passender Landschaft lange „unsichtbar“ bleiben. In der Zucht ist Geduld entscheidend: Eine überwinternde Puppe ist der Normalfall, gelegentlich bleiben Puppen sogar länger liegen. Nicht jedes Ausbleiben eines Schlupfes ist ein Fehler – wichtig sind ruhige Lagerung, Schutz vor Austrocknung und ein plausibler Jahresrhythmus.

Birkenspinner im Garten unterstützen

Da die Falter keine Nahrung aufnehmen, sind Nektarpflanzen für diese Art nicht der entscheidende Hebel. Der limitierende Faktor ist fast immer Lebensraum für die Raupe und ein störungsarmer Platz für die Überwinterung. Vielfalt schafft Vielfalt: Schon eine kleine, nicht gepflegte Ecke kann überraschend schnell Leben anziehen und macht praktisch keine Arbeit.

Ein Quadrat von mindestens etwa 3 × 3 m, vorher gepflegt (z. B. Rasen), wird einfach in Ruhe gelassen. Mindestens 2 Jahre nicht mähen, nicht düngen, wenig betreten. Wichtig ist, dass die Fläche mehrere Jahre wild bleiben darf, weil viele Insekten in Streu, Moos und Boden überwintern. Später kann wieder zurückgepflegt werden, während an anderer Stelle eine neue wilde Ecke entsteht.

Artspezifisch hilft alles, was Birke und Erle stärkt: birkenreiche Randstrukturen zulassen, junge Birken nicht überall entfernen, auf Spritzmittel verzichten und im Winter nicht „zu sauber“ sein. Da die Verpuppung im Boden in Streu stattfindet, sind großflächiges Rechen, Bodenbearbeitung oder das Entfernen der Laub- und Moosschicht unter Birken besonders ungünstig. Wer Freilandaufzucht Birke machen möchte, arbeitet am stabilsten mit ungespritzten Birkenzweigen aus sicherer Quelle und sorgt für viel Luftbewegung, damit das Mikroklima trocken bleibt.

Verfügbarkeit und passende Angebote zum Birkenspinner (Endromis versicolora) im Shop: Endromis versicolora – Birkenspinner