Haltung und Zucht von Araschnia levana (Landkärtchen)

Kurzbeschreibung der Art

Das Landkärtchen (Araschnia levana) ist ein heimischer Tagfalter aus der Familie der Edelfalter. Charakteristisch ist der starke Saison-Dimorphismus: Die Frühjahrsgeneration ist leuchtend orange mit schwarzer Zeichnung, die Sommergeneration wirkt dagegen sehr dunkel mit hellen Binden. Die Flügelunterseiten zeigen bei beiden Formen eine feine, kartenartige Linienzeichnung, die dem Landkärtchen seinen Namen gibt. Die Flügelspannweite liegt meist bei 30 bis 40 mm.

Die Eier sind extrem klein, ungefähr wie ein Sandkorn. Sie werden an der Unterseite von Brennnesselblättern in auffälligen, turmförmigen Häufchen abgelegt. Frisch geschlüpfte Raupen sind entsprechend winzig und sitzen anfangs eng am Futter. Die Raupe ist schwarz und stachelig, mit deutlichen Dornen, und wirkt auf den ersten Blick ähnlich wie eine junge Tagpfauenauge-Raupe, bildet aber kein dichtes Nest. Die Puppe ist eine Gürtelpuppe, hängt an stehenden Strukturen und kann je nach Umgebung grünlich bis bräunlich erscheinen.

Natürliche Lebensweise

Das Landkärtchen lebt bevorzugt an halbschattigen, eher feuchten Saumstrukturen, etwa an Waldrändern, Hecken, Grabenrändern und in Auenbereichen, immer dort, wo größere Brennnesselbestände stehen. In Deutschland treten meist zwei Generationen auf: Falter im Frühjahr etwa von April bis Juni und eine zweite Generation von Juli bis August. In warmen Jahren kann sich eine weitere, spätsommerliche Teilgeneration zeigen.

Typische Entwicklungsdauern bei passendem Futter und normaler Zimmertemperatur sind: Ei etwa 9 Tage, Raupe etwa 21 Tage, Sommerpuppe etwa 14 Tage. Die späte Generation überwintert als Puppe und schlüpft erst im folgenden Frühjahr. Der Wechsel zwischen Frühjahr- und Sommerform wird vor allem durch Tageslänge und Temperatur während der Raupenentwicklung gesteuert, wodurch derselbe Falter je nach Jahreszeit sehr unterschiedlich aussieht.

Als Falter nutzt das Landkärtchen Nektar, zuckerhaltige Säfte und nimmt gelegentlich Mineralien an feuchten Stellen auf. In Deutschland gilt die Art aktuell als ungefährdet und ist in der Regel nicht besonders geschützt.

Futterpflanzen für das Landkärtchen

Die Landkärtchen-Raupe frisst in Mitteleuropa praktisch immer Brennnesseln. Wichtig ist ungespritztes, frisches Laub, idealerweise von jungen, nicht vergilbten Trieben. Geeignet bzw. beschrieben werden: Große Brennnessel (Urtica dioica), Kleine Brennnessel (Urtica urens), Schmalblättrige Brennnessel (Urtica angustifolia), Kiew-Brennnessel (Urtica kioviensis), Nesselgewächse wie Laportea-Arten (Laportea sp., Laportea bulbifera), Boehmeria-Arten (Boehmeria sp.), Hopfen (Humulus lupulus).

Für die sichere Aufzucht ist die Große Brennnessel (Urtica dioica) die klare Standard-Futterpflanze. Hopfen wird häufig nicht angenommen und ist dafür kein verlässliches Ausweichfutter.

Vorbereitung

Für Eier und die ersten Tage der Jungraupen ist ein sehr kleiner, ausbruchsicherer Behälter entscheidend. Halte die Eier in einem kleinen Glas oder einer kleinen Dose, luftdicht mit Klarsichtfolie verschlossen, und lüfte nur gelegentlich kurz. Lege ein kleines Stück frisches Brennnesselblatt so dazu, dass die frisch schlüpfenden Jungraupen sofort Kontakt zum Futter haben. Gib am Anfang bewusst nur sehr wenig Futter, damit nichts kippt und die winzigen Raupen nicht den Anschluss verlieren.

Wenn die Raupen wachsen, wird es einfacher und luftiger in einem größeren, gut belüfteten Aufzuchtraum. Ein Netzkäfig für Schmetterlinge und Raupen ist dafür eine bequeme Lösung, weil Zweige der Futterpflanze innen in ein kleines Wassergefäß gestellt werden können und das Klima stabiler bleibt.

Für den Start reichen oft Glas/kleine Dose, passende Futterpflanzen. Ein Netz oder ein selbst gebautes Habitat macht es später einfacher und luftiger. Wer es besonders sauber und bequem möchte, kann ein Komplettset nutzen.

Aufzucht und Haltung

Nach dem Schlupf sitzen die Jungraupen oft ruhig direkt am Blatt und beginnen mit feinem Schabefraß. In dieser Phase zählt Kontrolle: kleiner Behälter, Futter sehr nah, wenig Material im Glas, gelegentlich kurz lüften. Frische Brennnessel ist wichtiger als große Mengen. Wenn du neues Futter zugibst, dann lieber öfter kleine, frische Stücke statt selten große Portionen.

Mit zunehmender Größe brauchen die Raupen deutlich mehr Luft und Platz. Dann ist der Wechsel in ein luftiges Setup sinnvoll, damit das Futter länger frisch bleibt und Feuchtigkeit besser abzieht. Stelle Brennnesselzweige in ein kleines Wassergefäß, achte auf sicheren Stand und entferne verwelkte Reste regelmäßig. Vor einer Häutung wirken Raupen oft kurzzeitig inaktiv, das ist normal und sollte nicht durch Umsetzen oder ständiges Prüfen gestört werden.

Die Raupen leben anfangs gern gesellig und sitzen oft in Gruppen, später verteilt sich das stärker. Die Verpuppung erfolgt als Gürtelpuppe an stehenden Strukturen. Gib dafür im Aufzuchtraum genügend senkrechte Flächen wie Zweige oder Stäbe, an denen sich die Puppe sicher befestigen kann.

Paarung und Zucht von Landkärtchen

Für die Paarung setzt du mehrere frisch geschlüpfte Falter zusammen in einen ruhigen, luftigen Käfig. Tageslicht, Platz zum Sitzen und ein ungestörter Standort helfen, damit die Tiere zur Ruhe kommen. Für die Eiablage braucht das Weibchen frische Brennnessel, am besten als Trieb oder Zweig im Wassergefäß, sodass die Blattunterseiten gut erreichbar bleiben.

Zur sauberen Fütterung der Falter im Käfig lässt sich eine kleine Zuckerlösung oder ein geeigneter Nektar-Ersatz kontrolliert anbieten, mehr dazu unter Schmetterlinge füttern. Die Eier werden dann typischerweise an der Blattunterseite in kleinen Türmchen abgelegt, einzelne Blattstücke mit Eiern lassen sich später vorsichtig in den Startbehälter übernehmen.

Wenn du die Entwicklung bis in den nächsten Frühling planst, ist die Überwinterung der Puppe der normale Weg. Eine kontrollierte, sichere Vorgehensweise dafür beschreibt der Ratgeber Schmetterlingspuppen überwintern.

Was noch zu sagen ist

Das Landkärtchen ist eine Art, bei der sich viele scheinbare Rätsel durch die Jahreszeit erklären lassen: derselbe Schmetterling sieht je nach Generation völlig anders aus, und eine Puppe kann entweder zügig schlüpfen oder bis zum Frühjahr ruhen. Plane die Aufzucht deshalb immer so, dass eine Überwinterung als Puppe möglich ist, wenn die Raupen spät im Jahr heranwachsen.

Wenn du das Landkärtchen selbst vom Ei an begleiten möchtest, findest du die Art hier im Shop: Landkärtchen Eier und Raupen.

Landkärtchen im Garten unterstützen

Konkrete, praxiserprobte Maßnahmen für einen schmetterlingsfreundlichen Garten stehen ausführlich hier: Schmetterlingen im Garten helfen.

Für das Landkärtchen ist der wichtigste Hebel die Raupenpflanze. Wer im Garten eine Ecke mit Brennnesseln zulässt, schafft erst den echten Lebensraum, denn Nektarpflanzen sind selten der limitierende Faktor. Nektar hilft beim Beobachten und schließt Lücken, aber ohne Raupenfutterpflanze bleibt der Garten für viele Arten nur ein kurzer Zwischenstopp. Wer gezielt daran denkt, wie man Landkärtchen in den Garten lockt, kommt fast immer bei Brennnesseln und passenden Saumstrukturen heraus.

Vielfalt schafft Vielfalt. Ein einfacher Impuls ist eine wilde Ecke von etwa 3 × 3 m, die vorher kurz gehalten war und dann mehrere Jahre in Ruhe bleibt. Nicht düngen, wenig betreten, mindestens zwei Jahre nicht mähen. Auf sehr nährstoffreichen Böden kann ein Teilbereich ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden, Schnittgut wird abgeräumt, und kleine Überwinterungsinseln aus Altgras und Staudenstängeln bleiben stehen. So entstehen ganz von selbst Mikrohabitate, in denen sich viele Insekten etablieren.

Zusätzlich hilft eine sichere Feuchtstelle gegen Trockenstress, etwa eine flache, nasse Sandstelle oder eine dauerhaft leicht feuchte Ecke ohne tiefe Gefäße. Pestizide sind ein echter Schmetterlings-Killer, auch vermeintlich milde Mittel. Insektizide und auch Bt treffen oft genau die Arten, die man fördern möchte. Wo Raupen als störend empfunden werden, ist mechanisches Entfernen fast immer die bessere, ruhigere Lösung, und häufig erledigen sich Blattlaus- und ähnliche Probleme von selbst.

Als Gürtelpuppe hängt die Überwinterung oft an stehen gelassenen Strukturen. Wer im Herbst alles radikal schneidet und entsorgt, entfernt damit auch Puppen an Stängeln und Zweigen. Abgeräumtes Material kann aufrecht in einer ruhigen Ecke angelehnt werden, sodass Puppen im Frühjahr trotzdem schlüpfen können. Spread the message, denn viele Verbesserungen entstehen erst, wenn Nachbarn, Vereine und Entscheidungsträger wissen, wie wenig es oft braucht, um Lebensräume zurückzubringen.