Haltung und Zucht vom Götterbaumspinner (Samia ricini)

Kurzbeschreibung der Art

Es gibt Insekten, die über viele Generationen gezielt in menschlicher Obhut gezüchtet wurden – ähnlich wie klassische Haustierformen bei Säugetieren. Samia ricini gehört dazu: Die Art ist eng mit wild lebenden Samia-Arten verwandt, wird aber seit Langem für die Seidenproduktion als Eri-Seidenspinner vermehrt. Genau das macht sie oft auch für die Hobbyhaltung interessant: robust, gut zu beobachten und meist unkompliziert in der Aufzucht.

Der Name „Götterbaumspinner“ wird im Deutschen nicht immer eindeutig verwendet. In Zucht und Hobby ist mit Samia ricini meist der Eri-Seidenspinner gemeint, also eine Zuchtform, die in menschlicher Obhut verbreitet ist.

Typisch sind die Eier, aus denen nach der Bebrütung sehr mobile Jungraupen schlüpfen, die sich durch mehrere Larvenstadien mit Häutungen fressen. Im letzten Raupenstadium sind sie auffällig kräftig, mit deutlichen Erhebungen und einer variablen Färbung, die je nach Linie von grünlich bis sehr hell reichen kann. Häufig sind helle, weiche Kokons aus Eri-Seide, in denen die Puppe ruht. Die Falter sind kräftig gebaut, in Braun- und Beigetönen gemustert und wirken insgesamt „plüschig“ und kompakt.

Charakteristisch sind die auffälligen Raupen: Je nach Linie sind sie im späteren Stadium oft sehr hell bis weißlich. Bei manchen Linien sieht man eine deutliche dunklere Zeichnung, umgangssprachlich manchmal „Zebraform“. Auch kleine blaugrünliche Punkte können auftreten; das ist in der Zucht nicht ungewöhnlich.

Samia ricini Raupe

Natürliche Lebensweise

Samia ricini wird in Teilen Asiens in großem Umfang für die Seidenproduktion gehalten und vermehrt. In der Terraristik und bei Insektenfans ist er ebenfalls beliebt – teils auch als Futtertier. Als Zuchtform steht die Art in enger Beziehung zu wild lebenden Samia-Verwandten, während Samia ricini selbst vor allem aus Haltungslinien bekannt ist.

Die Entwicklungsdauern hängen stark von Temperatur, Mikroklima und Futterqualität ab. Bei normaler Raumtemperatur schlüpfen die Raupen häufig nach 11 bis 15 Tagen, oft lässt sich dafür 13 Tage als guter Orientierungswert ansetzen. Die Raupenphase bis zum Spinnen des Kokons liegt in der Praxis meist bei etwa 30 Tagen. Die Puppenruhe im Kokon dauert häufig etwa 14 bis 21 Tage, bis der Falter schlüpft.

Im Alltag zeigt sich die Art als „Zuchtklassiker“: Die Raupen fressen zügig, häuten sich in klar erkennbaren Schritten und suchen zur Verpuppung eine ruhige Ecke, in der sie den Kokon fest anheften. Für den Schlupf und das saubere Entfalten der Flügel brauchen die Falter anschließend ausreichend Höhe und griffige Strukturen zum Hochklettern.

Futterpflanzen für Samia ricini

Die Samia ricini Raupe frisst eine große Bandbreite an Pflanzen und gilt als ausgesprochen futtertolerant. Das erleichtert die Planung, ersetzt aber nicht die Grundregel, dass frisches, sauberes und nicht belastetes Blattmaterial das wichtigste Fundament für eine stabile Aufzucht ist.

Bewährte Futterpflanzen sind Rizinus (Ricinus communis), Götterbaum (Ailanthus altissima), Liguster (Ligustrum), Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus), Apfel (Malus domestica), Birne (Pyrus), Pflaume (Prunus domestica), Kirsche (Prunus avium und Prunus cerasus) und weitere Prunus-Arten, außerdem als gut verfügbare Ausweichoption Spitzkohl, Eisbergsalat und Löwenzahn (Taraxacum).

Löwenzahn ist leicht zu beschaffen und wird von vielen Samia ricini Raupen sehr gut angenommen. Praktisch ist, nur kleine Mengen frisch zu geben und bei Bedarf nachzulegen, weil Löwenzahn schnell welkt. Blattmaterial sollte nicht von stark befahrenen oder behandelten Flächen stammen. Wenn möglich, lohnt sich später der Umstieg auf stabilere, länger frisch bleibende Blätter von Gehölzen.

Wer zusätzlich experimentieren möchte, kann aus Zucchini und weiteren Zutaten ein Kunstfutter selbst herstellen. Hier findest du die Anleitung.

Vorbereitung

Für eine erfolgreiche Zucht ist keine aufwendige Spezialausrüstung nötig. Für den Start reichen meist ein Glas oder eine kleine Dose, Küchenpapier und frische Futterpflanzen. Entscheidend sind saubere Routine, passende Belüftung und ein gutes Feuchte-Management.

Eier werden in einem sehr kleinen Behälter gehalten, luftdicht mit Klarsichtfolie verschlossen, nur gelegentlich kurz lüften. So bleibt das Mikroklima stabil und die Kontrolle einfach.

Für den Start reichen oft Glas/kleine Dose, passende Futterpflanzen. Ein Netz oder ein selbst gebautes Habitat macht es später einfacher und luftiger. Wer es besonders sauber und bequem möchte, kann ein Komplettset nutzen.

Für die nächsten Schritte ist ein Aufzuchtnetz eine einfache, luftige Lösung, weil Futter länger frisch bleibt und Kondenswasser seltener wird. Zum sauberen Füttern und Fixieren von Blattstielen kann ein Futterröhrchen mit Silikondeckel helfen, ist aber kein Muss.

Aufzucht und Haltung

Eier ausbrüten

Der Zyklus beginnt mit den Eiern, die bei Raumtemperatur in einem kleinen, übersichtlichen Behälter bebrütet werden können. Eine leicht erhöhte Luftfeuchte ist hilfreich, aber „zu nass“ ist der häufigere Anfängerfehler: Kondenswasser und Tropfen an den Wänden fördern Schimmel und können frisch geschlüpften Jungraupen schaden. Ein trockenes Küchenpapier am Boden erleichtert die Kontrolle. Eier nicht direkt besprühen.

Je nach Temperatur schlüpfen die Raupen oft nach etwa 11 bis 15 Tagen. Entwicklungszeiten sind grundsätzlich temperaturabhängig: In kühleren Räumen dauert es meist länger, in wärmeren oft kürzer.

Jungraupen richtig starten (L1)

Nach dem Schlupf ist weniger mehr: Gib zunächst nur eine kleine Menge Futter dazu, wirklich wenig, zum Beispiel ein kleines Stück. Zu viel Futter trocknet schneller aus, liegt im Weg und kann das Mikroklima unnötig verschlechtern. Wichtig ist, dass frisches Futter leicht erreichbar ist.

Die Jungraupen krabbeln anfangs viel umher. Sobald sie fressen, sieht man erste Fraßspuren und kleine Kotkrümel. Das ist ein gutes Zeichen und hilft bei der Einschätzung, ob Futter und Klima passen.

Häutung: nicht stören

Vor einer Häutung verharren die Raupen oft still und fressen nicht. Das ist normal. In dieser Phase nicht umsetzen und nicht „testen“, ob sie noch reagieren. Nach der Häutung fressen viele Raupen sogar die alte Haut, ebenfalls normal.

Mit zunehmendem Alter werden die Raupen oft heller; je nach Linie können Streifen oder farbige Punkte sichtbar sein.

Belüftung und Hygiene

Ein häufiger Fehler ist ein zu „dichter“ Behälter. Am Anfang darf es leicht feucht sein, aber ohne Tropfwasser. Spätestens wenn die Raupen wachsen, wird Belüftung wichtiger als zusätzliche Feuchte. Öffne den Behälter regelmäßig zum Luftaustausch und entferne altes, angetrocknetes Futter. Zu viel Futter auf einmal kann außerdem zu übermäßiger Feuchtigkeit führen.

Umzug ins Netz ab L2/L3

Sobald die Raupen etwa 2 cm erreichen oder sich im 2. bis 3. Larvenstadium befinden, ist ein luftigeres Setup sinnvoll. Du kannst den Behälter nun mit Netz abdecken oder die Raupen direkt in einem Netz halten. Das reduziert Kondenswasser, hält Futter länger frisch und senkt das Risiko für Schimmel deutlich.

Kokon, Puppe und Schlupf

Nach mehreren Wochen suchen sich die Raupen eine ruhige Ecke und beginnen, ihren Kokon zu spinnen. Danach ruht die Puppe im Kokon. Auch diese Phase ist temperaturabhängig und kann variieren.

Für den Schlupf benötigen die Falter ausreichend Höhe und Halt, um die Flügel sauber aufzupumpen und auszuhärten. Ein Behälter mit mindestens 12 bis 15 cm Höhe ist dafür meist eine gute Orientierung, ergänzt durch Äste oder raue Flächen zum Hochklettern. So kann sich der Falter nach dem Schlupf sicher festhalten und die Flügel in Ruhe entfalten.

Wenn ein Falter auf die Hand genommen werden soll, dann nur kurz und sehr behutsam. Nie an den Flügeln anfassen. Am besten lässt man ihn von selbst auf einen Finger klettern, ohne Druck und ohne Hektik.

Paarung und Zucht von Samia ricini

Für die Zucht ist ein ruhiges, gut belüftetes Setup mit ausreichend Platz entscheidend. Die Paarung findet oft in den Abendstunden statt, und ein stressarmes Umfeld erhöht die Chance, dass das Paar ungestört sitzen bleibt. Eine griffige Innenstruktur wie Zweige oder raues Material hilft, damit die Tiere sicheren Halt finden.

Nach erfolgreicher Paarung legt das Weibchen in der Regel viele Eier, oft mehrere hundert, verteilt auf mehrere Ablagen. Praktisch ist eine Innenfläche, an der Eier gut haften, zum Beispiel Papier oder raue Bereiche, damit sich die Eier später sauber einsammeln und kontrollieren lassen. Für die weitere Bebrütung sind Übersicht, saubere Routine und ein stabiles Mikroklima wichtiger als viel Feuchte.

Was noch zu sagen ist

Der Eri-Seidenspinner ist eine gute Einsteigerart, vor allem weil man viele Schritte des Lebenszyklus sehr gut beobachten kann: vom Schlupf über mehrere Häutungen bis zum Kokon und schließlich dem Falter. Neben der hübschen Erscheinung ist er vor allem für die Eri-Seide bekannt, aus der die Kokons gesponnen werden.

Im Kindergarten oder in der Schule ist Samia ricini beliebt, weil sich die Entwicklung gut beobachten lässt und die Raupen typischerweise an echten Pflanzen gefüttert werden. Das macht die Zusammenhänge in der Natur anschaulich: Ohne passende Futterpflanze geht es nicht, und saubere Pflege spielt eine große Rolle.

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die Aufzucht bei gesicherter Futterversorgung grundsätzlich auch in der kalten Jahreszeit möglich sein kann. Gleichzeitig gilt: Exotische Arten gehören nicht in die Natur und dürfen nicht ausgesetzt werden.

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