Haltung und Zucht von Antherina suraka (Madagaskar Bullenauge)

Das Madagaskar-Bullenauge (Antherina suraka) ist eine sehr gut beobachtbare Art für den Einstieg in die Schmetterlingszucht.

Antherina suraka, auch Madagaskar-Bullenauge genannt, ist ein großer Nachtfalter aus der Familie der Saturniidae. Die Art stammt aus Madagaskar und wird auch für die Komoren berichtet. In Zuchtkreisen ist sie beliebt, weil die Entwicklung spannend zu verfolgen ist und die Aufzucht mit den passenden Futterpflanzen meist gut gelingt.

Sowohl die Raupen als auch die erwachsenen Falter können farblich variieren. Auffällig sind die großen Augenflecken. In der Praxis wird häufig beobachtet, dass der Falter bei Störung die Flügel deutlich auf und ab bewegt und die Augenflecken dadurch besonders „lebendig“ wirken – als Abwehrverhalten ist das plausibel, die genaue Wirkung hängt aber vom jeweiligen Fressfeind ab.

Antherina suraka

Natürliche Lebensweise

Antherina suraka ist an warme, teils feuchte Lebensräume angepasst. In der Natur werden Eier an Futterpflanzen abgelegt, die Raupen fressen sich über mehrere Häutungen durch und spinnen schließlich einen Kokon. Der Schlupf kann je nach Bedingungen zügig erfolgen oder sich deutlich verzögern; saisonale Muster (z. B. nach feuchteren Phasen) sind plausibel, aber nicht in jeder Linie gleich stark ausgeprägt.

Wie bei vielen Saturniiden haben die Falter keine funktionell nutzbaren Mundwerkzeuge und fressen nicht. Das macht die Falterphase kurz und erklärt, warum ruhige Haltung, wenig Stress und ein geeigneter Platz für Paarung/Eiablage so wichtig sind.

Antherina suraka bildet zudem Seidenkokons (Wildseide). Sie wird lokal genutzt, ist aber im Vergleich zur klassischen Seide meist gröber, was die Verarbeitung anspruchsvoller macht.

Raupe Antherina suraka

Futterpflanzen für Antherina suraka

In der Zucht werden als zuverlässige Futterpflanzen häufig Liguster, Oleander, Lorbeerkirsche (Kirschlorbeer), Kirsche/Prunus, Weide und weitere Gehölze genannt. Einige davon sind immergrün, wodurch sich die Art bei konstant warmen Bedingungen grundsätzlich auch in der dunkleren Jahreszeit führen lässt. Da Annahme und Wachstum je nach Linie und Jahreszeit schwanken können, lohnt sich ein vorsichtiges Testen mit kleinen Probestücken, bevor größere Mengen angeboten werden. Wichtig ist immer: nur ungespritztes, frisches Futter verwenden.

Vorbereitung

Für den Start reicht ein sehr schlichtes Setup: ein kleines, sauberes Glas oder eine kleine Dose, Küchenpapier und frische Futterzweige. Für den besonders sicheren Start mit Eiern und frisch geschlüpften Jungraupen kann ein Jungraupen- und Eier-Behälter hilfreich sein, weil man Schlupf und erste Fraßspuren schnell kontrollieren kann. Später, wenn die Tiere größer sind oder wenn Paarung/Eiablage geplant ist, ist ein luftiger Netzkäfig oft die ruhigste und sauberste Lösung.

Aufzucht und Haltung

Der Zyklus beginnt mit den Eiern. Für die ersten Tage hat sich ein sehr kleiner Behälter bewährt (z. B. ein kleines Wasserglas): oben luftdicht mit Klarsichtfolie verschließen und nur ein- bis zweimal täglich kurz öffnen, damit frische Luft hinein kommt. So trocknen Eier nicht aus und die winzigen Jungraupen gehen nach dem Schlupf nicht „verloren“. Unten hilft ein trockenes Stück Küchenpapier als saubere Unterlage. Besprühen ist in der Regel nicht nötig und erhöht eher das Risiko von Kondenswasser und Schimmel.

Nach dem Schlupf reicht anfangs sehr wenig Futter – ein kleines Stück Blatt (wirklich nur wenige Quadratzentimeter) ist oft genug. Zu viel Blattmaterial am Anfang ist einer der häufigsten Stolpersteine: Es welkt, wird feucht und die Jungraupen finden die frische Kante schlechter. Wenn nach 24 Stunden keinerlei Fraßspur zu sehen ist, hilft ein Futterwechsel und eine sehr kleine, übersichtliche Startbox; zusätzliche Ursachen und Sofortmaßnahmen sind im Artikel Wenn Raupen nicht fressen – mögliche Ursachen & Tipps gesammelt.

Die jungen Raupen sind anfangs dunkel und wirken oft „unruhig“, bis sie die passende Blattkante gefunden haben. Erste Hinweise, dass alles läuft, sind kleine Fraßfenster und feine Kotkrümel. Vor einer Häutung verharren Raupen vollständig und sollten nicht gestört werden. Nach der Häutung wird die alte Haut häufig angefressen. Im Verlauf der Entwicklung verändert sich das Aussehen deutlich: Aus dunklen Jungraupen werden kräftige, oft grüne Tiere mit markanten Stacheln und je nach Linie auch rötlichen Akzenten.

Mit zunehmender Größe braucht die Aufzucht mehr Luftaustausch. In der Startphase bleibt der Behälter klein und geschlossen (Folienverschluss, kurz lüften). Sobald die Raupen stabil fressen und größer werden, muss die Haltung trockener und luftiger werden: häufiger reinigen, altes Futter entfernen, Kondenswasser vermeiden. Frische Zweige bleiben deutlich länger nutzbar, wenn sie im Wasser stehen; Futterröhrchen mit Silikondeckel helfen dabei, ohne dass die ganze Box nass wird.

Ab etwa 2 cm (je nach Tempo meist ab L2/L3) profitieren die Raupen deutlich von einem größeren, gut belüfteten Setup. Das reduziert Schimmelrisiko und macht das Handling entspannter. Sauberkeit bleibt dabei der wichtigste Faktor: lieber regelmäßig kurz und gründlich arbeiten als selten „groß putzen“.

Nach einigen Wochen suchen die Raupen einen ruhigen Platz und spinnen sich in einen Kokon ein. Den Kokon in den ersten Tagen möglichst in Ruhe lassen, damit er vollständig aushärten kann. Die Zeit bis zum Schlupf ist variabel: manchmal geht es relativ schnell, manchmal liegt ein Kokon länger, ohne dass er „schlecht“ sein muss. Hinweise zu kontrollierter Lagerung, typischen Fehlern (zu trocken/zu feucht) und sicheren Schlupfbedingungen stehen im Artikel Puppen überwintern – für Antherina suraka gilt dabei konservativ: keine Kühlschranklagerung, sondern gleichmäßig warm und gut belüftet, ohne Nässe.

Für den Schlupf brauchen die Falter eine raue, hohe Fläche zum Hochklettern und genügend Platz zum Entfalten der Flügel. Nach dem Schlupf erst vollständig aushärten lassen. Wenn ein Falter auf die Hand soll, am sichersten: ruhig halten, nicht an Flügeln anfassen, sondern ihn freiwillig auf einen Finger auflaufen lassen.

Was noch wichtig ist

Mit sauberem Futter, guter Belüftung und einem übersichtlichen Startbehälter ist Antherina suraka in der Regel gut zu führen. Wer Oleander nutzt, sollte ihn wie jede stark wirksame Zierpflanze mit Respekt behandeln (Saft nicht in Augen/Mund, Hände waschen, außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren lagern) – für die Raupen ist er als Futterpflanze jedoch häufig gut geeignet.

Wenn aktuell Eier oder Raupen verfügbar sind, sind sie hier zu finden:

Antherina suraka kaufen