Haltung und Zucht von Pieris brassicae/rapae - Kohlweißling

Haltung und Zucht von Pieris brassicae / Pieris rapae - Kohlweißling

Der Kohlweißling (Pieris brassicae / rapae) ist eine robuste, gut beobachtbare Artengruppe aus der Familie der Weißlinge. Beide Arten sind in Mitteleuropa häufig und gelten als gut erforschte „Modellarten“. In der Praxis schwanken Entwicklungszeiten und Verhalten aber stark je nach Temperatur, Tageslänge und Jahreszeit.

Kurzbeschreibung der Art

Der Große Kohlweißling (P. brassicae) ist meist etwas kräftiger, legt häufig größere Eipakete und die Jungraupen fressen anfangs gesellig. Der Kleine Kohlweißling (P. rapae) legt Eier meist einzeln und die Raupen sind von Beginn an eher verteilt. Typische Richtwerte (bei warmer Witterung) sind: Ei etwa 5–6 Tage, Raupe grob um 3 Wochen, Puppe etwa 1–2 Wochen; im Herbst kann sich die Entwicklung deutlich verlängern, und überwinternde Puppen bleiben bis zum Frühjahr.

Natürliche Lebensweise

Kohlweißlinge nutzen vor allem Kreuzblütler als Wirtspflanzen und sind deshalb oft in Gärten, an Gemüsebeeten, auf Brachen und an Wegsäumen zu finden. Die Falter fliegen je nach Region über mehrere Generationen pro Jahr. Überwintert wird überwiegend als Puppe an geschützten, eher trockenen Stellen (z. B. an Wänden, Zäunen, Stängeln oder unter Vorsprüngen).

Bei der Eiablage werden je nach Quelle und Region sowohl Blattunterseiten als auch Oberseiten genannt; in der Praxis lohnt es sich, beide Blattseiten und den Stängelbereich zu kontrollieren. Beim Großen Kohlweißling sitzen die Eier oft in Paketen, beim Kleinen meist einzeln.

Futterpflanzen für Kohlweißlinge

Der „sichere Kern“ sind Kreuzblütler: klassische Kohlarten (z. B. Weißkohl, Rotkohl, Wirsing, Brokkoli, Blumenkohl, Rosenkohl, Grünkohl) sowie weitere Brassicaceae wie Raps und verschiedene wilde Kreuzblütler (z. B. Rauken/Kressen). Als häufig berichtete Ausweichpflanze im Garten wird auch Kapuzinerkresse genannt, die ähnliche Senföl-Stoffe nutzt. An ihr finden auch Gärtner häufig die grünen Raupen des kleinen Kohlweisslings oder eine ganze Gruppen von schwarz gelben Raupen (Großer Kohlweissling) auf der Kapuzinerkresse oder gerne auch auf Kohlrabi. Entscheidend ist weniger Vielfalt als Qualität: frisch, passend und pestizidfrei.

Vorbereitung

Für eine saubere Aufzucht ist ein übersichtlicher Start wichtiger als „viel Platz“. Eier können am besten mit einem kleinen Stück Blatt (oder der befallenen Blattpartie) übernommen werden, damit sie nicht beschädigt werden. Achte von Anfang an auf ein trocken-luftiges Mikroklima ohne Kondenswasser, denn „zu feucht“ ist bei Kohlweißlingen eine der häufigsten Fehlerquellen.

Eier werden im kleinen Behälter gehalten, zB ein kleines wasserglas, luftdicht verschlossen mit Klarsichtfolie, nur ab und zu luft kurz ranlassen

Für den Start reichen oft Glas/kleine Dose, Küchenpapier und passende Futterpflanzen. Ein Netz oder ein selbst gebautes Habitat macht es später einfacher und luftiger. Wer es besonders sauber und bequem möchte, kann ein Komplettset nutzen.

Aufzucht und haltung

Nach dem Schlupf fressen die Jungraupen zunächst in der Nähe der Eihülle bzw. am selben Blattbereich. Gib lieber wenig, aber sehr frisches Futter, und tausche welkes Material zügig aus. Wenn du im Kühlschrank gelagertes oder sehr kühles Futter nutzt, lass es erst auf Zimmertemperatur kommen, damit keine Feuchte auskondensiert.

Sobald die Raupen größer sind, profitiert die Aufzucht von mehr Luftaustausch und Platz am Zweig. Futter bleibt deutlich länger frisch, wenn es mit Wasserfuß angeboten wird; praktisch sind dafür Futterröhrchen mit Silikondeckel, gleichzeitig funktioniert ein kleines Wasserglas mit sauberem „Durchlass“ genauso, solange nichts ausläuft und die Umgebung trocken bleibt.

Für die Verpuppung suchen Kohlweißlinge feste, trockene Kanten und Flächen. Überwinternde Puppen sind häufig völlig „still“ und wirken schnell wie leblos, sind aber in der Diapause. Wer Puppen gezielt sicher durch den Winter bringen will, findet ein erprobtes Vorgehen unter Puppen überwintern.

Paarung und Zucht von Kohlweißlingen

Der wichtigste Faktor ist Licht. Für zuverlässige Paarung und Eiablage braucht es sehr helles Tageslicht und ausreichend Flugraum; draußen oder im Gewächshaus klappt es meist deutlich besser als in Innenräumen. Ein luftiger, heller Netzkäfig für Schmetterlinge und Raupen macht es einfacher, weil die Falter wirklich fliegen und Sonnenflecken finden können.

Für die Eiablage sind lebende Wirtspflanzen im Topf im Käfig besonders hilfreich: natürlicheres Verhalten, weniger Welkestress und die Eier lassen sich sauber finden und umsetzen. Eine einfache Zuckerquelle kann die Falter unterstützen; wichtiger als „Spezialmischungen“ ist, dass alles sauber bleibt und nicht kippt.

Was noch zu sagen ist

Ein häufiger Frustpunkt ist eine Zucht, die „plötzlich krank wirkt“ oder scheinbar grundlos ausfällt. Ein Hauptgrund sind Parasitoide aus Wildfunden: Raupen aus der Natur sind regional teils extrem stark parasitiert, und das fällt nicht immer sofort auf – manchmal erst dann, wenn statt eines Falters Parasiten aus der Puppe schlüpfen. Umso angenehmer ist es, mit planbarem, parasitenfreiem Ausgangsmaterial zu starten, z. B. hier: Kohlweißlinge (Pieris brassicae / rapae).

Der zweite Pain bei Kohlweißlingen ist das Mikroklima: Sie setzen viel Nahrung um, produzieren entsprechend viel Kot und Feuchte, und genau das macht „muffig“ und Kondenswasser schnell zum Problem. Deshalb lieber konsequent trocken und sehr gut belüftet halten, Futter frisch nachlegen, nasse Stellen sofort entfernen und nicht zu dicht besetzen. Wenn Raupen trotzdem scheinbar nicht fressen, sind Häutung, ungeeignetes/zu altes Futter, ein zu großer Behälter oder ein ungünstiges Mikroklima die typischen Ursachen.

Ab einer gewissen Größe wird es mit „luftig und sauber“ spürbar leichter. Eine günstige, gut belüftete Lösung lässt sich auch mit Haushaltsmitteln bauen; eine Schritt-für-Schritt-Variante steht unter Raupenhabitat selber bauen.


Kohlweißling im Garten unterstützen

Schmetterlinge im Garten zu unterstützen beginnt fast immer mit zwei Ebenen: Erwachsene Falter brauchen Nektar, Raupen brauchen Lebensräume. Nektarpflanzen sind trotzdem ein Geschenk, weil du dadurch Falter viel häufiger beobachten kannst – gönn dir das. Ideal sind heimische Arten, aber auch robuste „Lückenfüller“ sind erlaubt, wenn sie in der ausgeräumten Landschaft die Nektarlücke schließen. Bewährt sind zum Beispiel Dost/Oregano, Wilde Möhre, Natternkopf, Flockenblumen, Skabiosen, Wiesen-Salbei, Thymian, Klee, Goldrute und im Spätsommer auch Fetthenne; dazu können Lavendel oder Verbene ergänzen, wenn sonst wenig blüht. Ehrlich gesagt sind Nektarpflanzen aber selten der limitierende Faktor: Schmetterlinge werden vor allem deshalb rar, weil Raupen kaum noch „wilde“ Ecken finden. Genau da kannst du richtig etwas bewegen, ohne Mehrarbeit: Nimm ein Karee von mindestens 3 × 3 Metern (z. B. eine bisher gepflegte Rasenfläche, die für Raupen fast nutzlos war) und mach dann das Beste überhaupt: gar nichts. Mindestens zwei Jahre nicht mähen, nicht düngen, wenig betreten – und staunen, was von allein kommt. Noch besser ist, die Ecke mehrere Jahre stehen zu lassen, weil viele Insekten genau dort überwintern; wenn du später wieder „ordentlich“ willst, kannst du die wilde Ecke einfach verlagern, Hauptsache immer irgendwo bleibt es mehrjährig wild. Für Gürtelpuppen wie beim Kohlweißling gilt zusätzlich: Überwinternde Puppen sitzen oft an stehenden Strukturen (trockene Staudenstängel, Pflanzenreste, Zäune, Gartenhausleisten) und brauchen draußen Luftumspülung; wer im Winter alles abschneidet und flach auf den Kompost wirft, zerstört diese Puppen häufig. Besser: Abgeräumtes gebündelt aufrecht in einer trockenen Gartenecke oder am Gartenhaus anlehnen, dann können die Puppen im Frühjahr trotzdem schlüpfen. Und wenn Kohlweißling-Raupen am Kohlrabi nerven, kann Markstammkohl als bewusste Ablenkpflanze helfen: Er wird sehr gern angenommen, die Raupen bleiben eher dort und der Druck verteilt sich – eine einfache, pestizidfreie Form der natürlichen Bekämpung von Raupen an Kohlrabi, Kapuzinerkresse im Beet - ganz ohne Gift.