Haltung und Zucht von Saturnia pavonia (Kleines Nachtpfauenauge)

Kurzbeschreibung der Art

Das Kleine Nachtpfauenauge (Saturnia pavonia) ist ein heimischer Pfauenspinner und gehört zu den auffälligsten Nachtfaltern Mitteleuropas. Typisch sind die großen „Pfauenaugen“ auf allen vier Flügeln und ein deutlicher Größenunterschied zwischen den Geschlechtern: Männchen wirken meist kleiner, fliegen sehr aktiv und tragen stark gefiederte Fühler, Weibchen sind kräftiger und sitzen ruhiger.

Die Eier sind oval, hartschalig und werden häufig als ringförmige Gelege um dünne Zweige geklebt. Die frisch geschlüpften Raupen sind zunächst dunkel und stark behaart, später werden sie überwiegend grün mit hellen Linien und auffälligen Warzen. Am Ende der Raupenzeit entsteht ein stabiler, meist birnenförmiger Kokon mit einer „Reuse“ als Ausgang, in dem die Puppe überwintert. Der Falter schlüpft im Frühjahr und zeigt das typische, samtige Pfauenspinner-Erscheinungsbild mit markanten Augenflecken.

Natürliche Lebensweise

Saturnia pavonia ist in weiten Teilen Europas verbreitet und besiedelt vor allem strukturreiche, eher magere Lebensräume: Heiden, Moore und Moor­ränder, lichte Waldränder, Bahndämme, Heckenlandschaften, verbuschte Wiesen und ähnliche Übergangsbereiche. Entscheidend sind passende Raupenfutterpflanzen in niedriger bis mittlerer Vegetation und ein ungestörter Jahresrhythmus.

Die Entwicklung läuft in einer Generation pro Jahr: Vom Ei bis zum Schlupf der Raupe vergehen typischerweise rund 12 Tage. Die Raupenzeit dauert im Mittel etwa 7 Wochen, je nach Witterung und Futterqualität auch etwas kürzer oder länger. Danach spinnt die Raupe ihren Kokon; die Puppenruhe dauert meist etwa 10 Monate über den Winter bis zum nächsten Frühjahr. Ein Teil der Kokons kann auch länger ruhen und erst später schlüpfen, was als natürliche Absicherung gegen ungünstige Jahre wirkt.

Saturnia pavoniella kurz ergänzt

Das Südliche Kleine Nachtpfauenauge (Saturnia pavoniella) ist eng verwandt, aber als eigene Art abgetrennt und in Mittel- und Nordeuropa nicht die „Standardart“ des Kleinen Nachtpfauenauges. Im Durchschnitt wirkt Saturnia pavoniella oft etwas größer; Männchen erscheinen häufig intensiver rost- bis weinrot, und der Flügelschnitt kann runder wirken. Besonders hilfreich ist bei Weibchen die Hinterleibsfärbung: Bei Saturnia pavoniella ist der Hinterleib oft gleichmäßiger graubraun, bei Saturnia pavonia zeigen sich an den Segmentgrenzen eher deutlichere, hellere Querbereiche. Auch im Kokon gibt es Tendenzen: Saturnia pavoniella baut häufiger einen doppeltwandigen, sackförmigen Außenkokon mit einem schlankeren Innenkokon, während Saturnia pavonia meist kompaktere Kokons bildet. Wer diese südliche Schwesterart gezielt aufziehen möchte, findet sie im Shop hier: Südliches Kleines Nachtpfauenauge (Saturnia pavoniella).

Futterpflanzen für das Kleine Nachtpfauenauge

Die Raupe von Saturnia pavonia frisst sehr viele Gehölze und einige krautige Pflanzen. Als Futterpflanze eignen sich besonders häufig Weiden (Salix), Birke (Betula), Brombeere (Rubus), Himbeere (Rubus idaeus), Rose (Rosa), Weißdorn (Crataegus), Schlehe (Prunus spinosa), Traubenkirsche (Prunus padus), Apfel (Malus domestica), Haselnuss (Corylus avellana), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Besenheide (Calluna vulgaris), Heidekraut (Erica), Mädesüß (Filipendula ulmaria), Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), Faulbaum (Frangula alnus).

In den ersten Tagen nach dem Schlupf sind die Raupen oft noch vergleichsweise flexibel, später werden sie deutlich „standorttreuer“ und lassen sich nur ungern auf eine andere Futterpflanze umgewöhnen. Praktisch heißt das: früh eine gut verfügbare, saubere Hauptpflanze wählen und dann konsequent dabei bleiben.

Vorbereitung

Am wichtigsten ist frisches, ungespritztes Futter. Ideale Sammelstellen liegen abseits von stark befahrenen Straßen, Hundewiesen und frisch behandelten Gärten. Futterzweige werden so geschnitten, dass sie nicht welk werden und keine Staunässe im Behälter entsteht.

Eier werden in einem sehr kleinen Behälter gehalten (z. B. kleines Wasserglas), luftdicht mit Klarsichtfolie verschlossen, nur gelegentlich kurz lüften.

Für den Start reichen oft Glas/kleine Dose, passende Futterpflanzen. Ein Netz oder ein selbst gebautes Habitat macht es später einfacher und luftiger. Wer es besonders sauber und bequem möchte, kann ein Komplettset nutzen.

Aufzucht und Haltung

Direkt nach dem Schlupf kommt nur wenig Futter dazu, dafür möglichst frisch und trocken. Sobald die Raupen fressen, wird regelmäßig nachgelegt und altes Futter entfernt, bevor es „muffig“ wird. In kleinen Behältern entscheidet die Luftqualität über vieles: lieber oft frisch und luftig als zu feucht und stickig. Wenn sich Kondenswasser bildet, ist es zu feucht.

Junge Raupen sitzen anfangs häufig gemeinsam, später verteilen sie sich. Mit zunehmender Größe brauchen sie deutlich mehr Platz und Luftbewegung. In dieser Phase ist ein feinmaschiges Aufzuchtnetz eine sehr einfache, luftige Lösung: Futterzweige können sicher angeboten werden, und die Tiere bleiben ausbruchssicher. Für eine ruhige, übersichtliche Aufzucht mit viel Volumen eignet sich auch ein Netzkäfig für Schmetterlinge und Raupen, in dem Zweige in einem kleinen Wassergefäß stehen können.

Wenn eine Raupe viel umherläuft, steckt dahinter meist ein klarer Grund: frisches Futter fehlt, das Futter ist unattraktiv geworden, eine Häutung kündigt sich an oder die Raupe sucht einen passenden Platz zum Einspinnen. Kurz vor der Häutung hilft vor allem Ruhe, und kurz vor dem Kokonbau brauchen die Tiere geeignete Strukturen wie Zweige, trockene Stängel oder einen geschützten Randbereich.

Zum Verpuppen wird zuerst ein lockeres Außengespinst angelegt und danach der feste Innenkokon. Kokons sollten anschließend luftig und trocken liegen, ohne direkte Sonne und ohne starke Temperatursprünge. Für den natürlichen Jahresrhythmus ist eine kühle Überwinterung entscheidend; praxisnah geht das mit einem geschützten, frostarmen Außenbereich oder einem geeigneten kühlen Ort. Details dazu stehen im Artikel Puppen überwintern.

Paarung und Zucht von Kleines Nachtpfauenauge

Für die Saturnia pavonia Zucht ist es am einfachsten, mehrere frisch geschlüpfte Tiere gleichzeitig zu haben. In einem ruhigen, ausreichend großen und luftigen Behälter oder Käfig finden sich die Geschlechter meist von selbst, besonders in den Abendstunden. Die Männchen reagieren sehr zielgerichtet und finden Weibchen auch über Distanz.

Nach erfolgreicher Paarung legt das Weibchen die Eier bevorzugt als ringförmige Gelege um dünne Zweige oder Stängel in der Nähe der passenden Futterpflanze. Insgesamt sind etwa 100 bis 200 Eier pro Weibchen ein typischer Rahmen. Danach beginnt der nächste Zyklus: Bei normaler Frühjahrstemperatur schlüpfen die Raupen im Mittel nach rund 12 Tagen.

Was noch zu sagen ist

Beim Kleinen Nachtpfauenauge ist die Puppenphase der stabile „Anker“ im Jahreslauf. Kokons werden deshalb nicht ständig bewegt, nicht warm gelagert und nicht luftdicht verpackt. Leichte Schwankungen sind normal, zu viel Wärme über längere Zeit kann den Rhythmus stören. Dass einzelne Kokons länger ruhen und erst später schlüpfen, gehört zum natürlichen Spektrum dieser Art.

In Deutschland gilt Saturnia pavonia insgesamt als nicht akut gefährdet, zeigt aber langfristig Rückgänge, wenn Heiden, Säume, Gebüschstreifen und andere strukturreiche Übergangshabitate verschwinden oder „zu ordentlich“ gepflegt werden. Gerade diese Zwischenräume sind für Raupenfutterpflanzen, Kokonplätze und den gesamten Lebenszyklus entscheidend.

Kleines Nachtpfauenauge im Garten unterstützen

Ein guter Einstieg ist der ausführliche Leitfaden Schmetterlingen im Garten helfen. Wer wissen will, wie man Saturnia pavonia in den Garten lockt, denkt weniger an „Blumenbeete“ und mehr an passende Strukturen und Raupenfutterpflanzen in Ruhebereichen.

Der wichtigste Hebel ist Lebensraum. Nektar ist selten der limitierende Faktor, fehlende Raupenplätze sind es. Vielfalt schafft Vielfalt: Eine wilde Ecke von mindestens etwa 3 × 3 m, die zuvor als Rasen oder „aufgeräumte Fläche“ lief, kann einfach zwei Jahre in Ruhe gelassen werden, ohne Düngung, ohne häufiges Betreten und ohne dauerndes Nachschneiden. Auf sehr fetten Böden hilft es, einen Teilbereich höchstens zweimal pro Jahr zu mähen und das Schnittgut abzuräumen, dabei aber immer kleine Überwinterungsinseln aus Altgras und Staudenstängeln stehen zu lassen. Wenn dort über die Jahre ein Strauch oder kleiner Baum aufkommt, profitieren viele Insekten, und im besten Fall entsteht genau die Art von strukturreichem Saum, den Saturnia pavonia braucht.

Eine flache Feuchtstelle hilft in Trockenphasen: eine sichere, sehr flache Ecke mit nassem Sand oder feuchter Erde, ohne tiefe Tränke hilft allen Insekten. Ebenso entscheidend ist ein konsequenter Verzicht auf Insektizide, auch auf vermeintliche „Bio“-Mittel. Meist verschwinden viele Schädlinge von allein wieder; wer Raupen bekämpfen will, verliert oft mehr Nutzen als er gewinnt. Mechanische Lösungen reichen fast immer: Gespinste aus Obstbäumen mit kräftigem Wasserstrahl lösen, Raupen an Kohl absammeln und an eine wilde Stelle umsetzen, statt zu sprühen.

Als heimischer Nachtfalter leidet Saturnia pavonia außerdem unter Lichtverschmutzung. Helles Dauerlicht am Haus stört Orientierung und Verhalten vieler Nachtfalter. Außenbeleuchtung wird am besten reduziert, an Bewegung gekoppelt und nach unten gerichtet, ohne nach oben streuende Lichtkegel. Warmere, bernsteinfarbene Lichttöne sind meist deutlich schonender als grelles Weißlicht, und jedes ausgeschaltete Lichtfenster in Frühlingsnächten hilft.

Zusätzlich wirkt „Spread the message!“: im eigenen Umfeld darüber sprechen, warum ungemähte Säume, Heckenstreifen, magere Ecken und weniger Licht echte Naturschutzwirkung haben. Wer diese Strukturen schafft, unterstützt nicht nur das Kleine Nachtpfauenauge, sondern stabilisiert ganze Insektengemeinschaften.

Wenn du Saturnia pavonia als Zuchtprojekt starten möchtest, findest du die Art hier im Shop: Kleines Nachtpfauenauge (Saturnia pavonia).