Haltung und Zucht vom Schwalbenschwanz (Papilio machaon)

Haltung und Zucht von Papilio machaon – Schwalbenschwanz

Kurzbeschreibung der Art

Vorweg: Beachte bitte die Hinweise auf den Naturschutz in diesem Text!

Der Schwalbenschwanz Papilio machaon gehört zu den Ritterfaltern (Papilionidae) und ist einer der auffälligsten großen Tagfalter Europas. Die Flügelspannweite liegt meist bei 50–75 mm. Typisch sind die gelb-schwarze Zeichnung, eine blaue Binde und rote Augenflecken an den Hinterflügeln sowie die kurzen „Schwänzchen“, die dem Falter den Namen geben. Erwachsene Tiere nehmen Nektar zu sich und sind an warmen, sonnigen Tagen aktiv.

Die Schwalbenschwanz Raupe wird bis etwa 45 mm lang, ist unbehaart und verändert ihr Aussehen stark: In den ersten Stadien ist sie dunkel und imitiert Vogelkot, später ist sie kräftig grün mit schwarzen Querbinden und gelb-orangen Punkten. Das bekannteste Aha-Merkmal ist das Osmaterium Schwalbenschwanz: eine orange, zweigabelige „Nackengabel“, die bei Störung ausgestülpt wird und intensiv riechende Abwehrstoffe abgibt.

Natürliche Lebensweise

Papilio machaon kommt in weiten Teilen der Nordhalbkugel vor. In Mitteleuropa besiedelt er vor allem offene, sonnige, strukturreiche Lebensräume: Trockenrasen, blütenreiche Wiesen, Feldraine, Böschungen, Gärten mit passenden Raupenpflanzen sowie warme Ufer- und Saumbereiche. Entscheidend ist eine Kombination aus Sonne, Windschutz, Nektarquellen und vor allem geeigneter Raupen-Futterpflanze.

Zur Partnersuche nutzen die Falter häufig erhöhte Strukturen und Geländekanten. Weibchen legen ihre Eier einzeln an sonnig stehende Wirtspflanzen, oft gut verteilt, sodass einzelne Pflanzen nicht „überlastet“ werden. Pro Weibchen sind je nach Kondition und Generation grob um 100–200 Eier möglich.

Entwicklungsdauern sind stark temperatur- und tageslängenabhängig. Als Richtwerte zur Orientierung: Schwalbenschwanz Ei bis Schlupf etwa 8 Tage, Raupenstadium etwa 5 Wochen, Puppe bei Sofortentwicklung etwa 2 Wochen. Ein Teil der Schwalbenschwanz Puppe geht in Diapause und überwintert mehrere Monate; ob direkt geschlüpft oder überwintert wird, wird in späten Raupenstadien vor allem durch Tageslänge und Temperatur mitgesteuert.

Futterpflanzen für Schwalbenschwanz

Schwalbenschwanz Futterpflanzen stammen in Mitteleuropa überwiegend aus der Familie der Doldenblütler. Papilio machaon frisst besonders zuverlässig an: Wilde Möhre (Daucus carota), Gartenmöhre (Daucus carota ssp. sativus), Dill (Anethum graveolens), Fenchel (Foeniculum vulgare), Petersilie (Petroselinum crispum), Pastinak (Pastinaca sativa), Giersch (Aegopodium podagraria), Bibernelle (Pimpinella spp.), Engelwurz/Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris), Haarstrang (Peucedanum spp.), Milchpetersilie (Peucedanum palustre), Bärwurz (Meum athamanticum), Berg-Heilwurz (Seseli libanotis), Bärenklau (Heracleum spp.). Regional werden auch weitere passende Doldenblütler genutzt.

In südlicheren Verbreitungsräumen oder bei einzelnen Unterarten kommen zusätzlich Pflanzen aus anderen Familien hinzu, zum Beispiel Weinraute (Ruta spp.), Diptam (Dictamnus albus), Ferula-Arten (Ferula spp.) sowie teils Citrus-Arten (Citrus spp.). Für die Aufzucht zählt in der Praxis: eine frische, passende Futterpflanze aus dem regionalen Spektrum, ungespritzt und nicht verwelkt, ist wichtiger als eine „exotische“ Alternativpflanze.

Vorbereitung

Beachtet bitte den untenstehenden Text zum Naturschutz. Ihr dürft Schwalbenschwänze nur züchten, wenn ihr alle Anforderungen des strengen Naturschutzgesetzes einhaltet.

Für die Startphase ist Ruhe und Kontrolle wichtiger als viel Zubehör. Eier werden in einem sehr kleinen Behälter gehalten (z. B. kleines Wasserglas), luftdicht mit Klarsichtfolie verschlossen, nur gelegentlich kurz lüften. So bleiben die Schwalbenschwanz Ei-Ansätze übersichtlich, die Luftfeuchte stabil und frisch geschlüpfte Räupchen gehen nicht verloren. Ein kleines Stück Küchenpapier als trockene, saubere Unterlage reicht; stehende Nässe wird vermieden.

Wenn Eier auf einem Pflanzenteil ankommen, kann dieses Stück Wirtspflanze mit in den Behälter, aber ohne „nasse Deko“. Sobald Schlupf ansteht, hilft es, ein winziges, frisches Blattstück der passenden Futterpflanze bereitzulegen, damit die ersten Fraßspuren schnell gelingen.

Für den Start reichen oft Glas/kleine Dose, Küchenpapier und passende Futterpflanzen. Ein Netz oder ein selbst gebautes Habitat macht es später einfacher und luftiger. Wer es besonders sauber und bequem möchte, kann ein Komplettset nutzen.

Für eine besonders sichere Startaufzucht in Mini-Größe ist ein kleiner, glatter Behälter praktisch, der sich schnell reinigen lässt, zum Beispiel ein Jungraupen- und Eierbehälter. Sobald die Raupen größer sind und an Zweigen gefüttert wird, wird viel Luftzirkulation zum Stabilitätsfaktor.

Aufzucht und Haltung

Direkt nach dem Schlupf fressen Jungraupen oft zunächst zögerlich. Entscheidend sind sehr frische Blätter und Triebspitzen der passenden Futterpflanze, eine ruhige Umgebung und ein Setup ohne Kondenswasser. Bei Doldenblütlern funktioniert es häufig gut, Blattkanten ganz leicht anzuritzen, damit der „Startbiss“ leichter fällt. Welkende Pflanzenteile sind ein häufiger Ausfallgrund, weil die Raupen dann zwar „suchen“, aber wenig annehmen.

Mit zunehmender Größe steigen Fraßmenge und Kotmenge deutlich. Dann gilt: lieber trocken-luftig als warm-feucht. Täglich frisches Futter, saubere Unterlagen und ausreichend Luftaustausch reduzieren Schimmel und bakterielle Probleme deutlich. Wenn die Raupen plötzlich nicht mehr fressen, liegt das sehr oft an Futterqualität, Klima (zu feucht, zu stickig) oder Umsetzstress. Für eine schnelle, systematische Ursachenprüfung hilft der Leitfaden Wenn Raupen nicht fressen – mögliche Ursachen & Tipps.

Zur Verpuppung verlässt die letzte Larvenstufe meist die Futterpflanze und sucht einen festen, oft senkrechten Untergrund. Es lohnt sich, frühzeitig Stängel, Zweige oder raue Flächen anzubieten. Die Gürtelpuppe wird mit einem Seidenpolster und einem „Gürtel“ fixiert. In dieser Phase nicht unnötig umhängen oder die Aufhängung stören. Die Puppenfarbe (grün oder braun) passt sich häufig dem Untergrund an.

Für die Aufzucht an Futterzweigen ist ein gut belüftetes Netz ideal. Ein Aufzuchtnetz bringt viel Luft, Platz und Übersicht, ohne dass die Tiere ständig umgesetzt werden müssen. Wer sich ein einfaches, funktionales Setup mit Haushaltsmitteln bauen möchte, findet dafür eine praxiserprobte Anleitung unter Raupenhabitat selber bauen.

Paarung und Zucht von Schwalbenschwanz

Für Schwalbenschwanz Zucht sind Licht, Raum und Struktur die wichtigsten Stellschrauben. Große, helle Volieren oder Netzaufbauten mit etwas „Höhe“ (z. B. aufragende Zweige als Sitzpunkte) fördern die Partnerfindung. Optimal sind warme Vormittage bis früher Nachmittag, viel Tageslicht und möglichst wenig Störungen. Nach der Paarung steigt die Eiablagebereitschaft deutlich, wenn eine frische, gut besonnte Eiablagepflanze angeboten wird, zum Beispiel Fenchel, Dill oder Wilde Möhre in Wasser.

Die Eiablage erfolgt meist einzeln. Das macht die Nachzucht gut kontrollierbar: Eier können im Startbehälter übersichtlich gesammelt werden, ohne dass „Teppiche“ entstehen. Sobald die Eiablage läuft, ist es sinnvoll, mehrere kleine Wirtspflanzenansätze bereitzustellen, statt alles auf eine Pflanze zu konzentrieren.

Adulte Falter nehmen Nektar auf. In Haltungssituationen kann man das über frische Blüten oder eine saubere Zuckerlösung ermöglichen. Für eine sichere, tiergerechte Fütterung und Hygiene in der Falterphase ist der Praxisartikel Schmetterlinge richtig füttern hilfreich.

Was noch zu sagen ist

Die häufigsten Probleme entstehen durch Kondenswasser, zu dichte Behälter, welkende Futterpflanzen, zu wenig Luftaustausch und unnötiges Handling. Bei Wildfunden sind Parasitoide ein realistischer Faktor; bei kontrollierter, sauberer Nachzucht sinkt dieses Risiko deutlich. Wenn eine Puppe in Diapause geht, ist gleichmäßige, kühle, luftige Überwinterung biologisch passend. Eine praxistaugliche Vorgehensweise ist unter Puppen überwintern beschrieben, inklusive typischer Fehler (zu warm, zu trocken oder dauerhaft feucht).

Anders als die vielen Arten, die ich hier im Shop verkaufe, unterliegt der Schwalbenschwanz in Deutschland einem besonderen Schutz. Das bedeutet praktisch: Entwicklungsstadien (Ei, Raupe, Puppe) oder Falter dürfen nicht aus der Natur entnommen werden, und auch das „Mitnehmen“ von Eiern oder Raupen von Futterpflanzen in Feld, Wiese, Wegrand oder Garten ist grundsätzlich tabu.

Haltung und Zucht kann unter bestimmten Vorraussetzungen erlaubt sein, insb. wenn die Ausgangstiere legaler Herkunft sind und diese Herkunft belegbar (Nachweise!) bleibt. Für Besitz und Weitergabe ist ein sauberer Herkunftsnachweis wichtig. Weitere Bestimmungen gelten.

Das kann je nach Einzelfall zusätzlichen rechtlichen und bürokratischen Aufwand bedeuten. Wer das nicht möchte, stärkt die Population am wirksamsten über Lebensraum und Raupen-Futterpflanzen im eigenen Garten und freut sich an wilden Schwalbenschwänzen.

Hinweis: Diese Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen keine Rechtsberatung; im Zweifel ist die zuständige Naturschutzbehörde die richtige Anlaufstelle.

Spread the message! Schmetterlinge profitieren am stärksten von mehr Lebensraum, weniger „Ordnung“ und weniger Gift. Gespräche mit Nachbarn, Vereinen, Schulen und lokalen Entscheidungsträgern wirken oft mehr als einzelne Einzelmaßnahmen.

Schwalbenschwanz im Garten unterstützen

Nektarpflanzen für Schmetterlinge sind toll. Man kann dadurch Tiere beobachten – gönn dir das. Heimische Pflanzen sind ideal, aber auch andere Arten sind erlaubt und schließen Nektarlücken in der ausgeräumten Landschaft. Entscheidend ist trotzdem: Nektarpflanzen sind nicht der limitierende Faktor. Schmetterlinge sind selten, weil Raupen keine Lebensräume finden.

Wer wissen will, wie man Schwalbenschwanz in den Garten lockt, setzt den Fokus auf Raupenpflanzen und Struktur: sonnige Ecken mit Doldenblütlern wie Wilder Möhre, Fenchel oder Dill, dazu windgeschützte Saumbereiche und ungestörte Stellen. Vielfalt schafft Vielfalt. Eine einfache Praxis: ein Quadrat von mindestens ca. 3 × 3 m, vorher gepflegt (z. B. Rasen), wird einfach in Ruhe gelassen. Mindestens 2 Jahre nicht mähen, nicht düngen, wenig betreten. Einfach nichts tun – und sich begeistern. Die Fläche sollte mehrere Jahre wild bleiben, weil viele Insekten dort überwintern.

Bei Gürtelpuppen ist „Aufräumen“ ein echter Killer: Puppen sitzen gern an Stängeln, Zäunen oder rauen Strukturen und brauchen draußen Luftumspülung. Wer im Winter alles abschneidet und entsorgt, entfernt oft unbemerkt die Überwinterungsstadien. Abgeräumtes Material kann aber aufrecht in einer Gartenecke oder am Gartenhaus aufgestellt werden – so können Puppen im Frühjahr trotzdem schlüpfen.

Gifte haben im Garten nichts verloren. Meist regulieren sich „Schädlinge“ von selbst, wenn die Natur mitlaufen darf. Wer Raupen bekämpfen will, kann das gut hinterfragen: Welcher Nachteil entsteht wirklich? Ein Gespinst im Obstbaum lässt sich oft einfach mit einem kräftigen Wasserstrahl lösen, ohne Chemie.

Lange Rede, kurzer Sinn: Stärke deine heimischen Schwalbenschwänze am besten über passende Raupen-Futterpflanzen im Garten und freue dich an wilden Tieren vor Ort. Wenn du trotzdem gern selbst züchten möchtest, ist ein Zuchtprojekt mit Arten, die nicht besonders geschützt sind oft der entspanntere Weg – zum Beispiel mit dem Tagpfauenauge (Aglais io), dem Kohlweißling (Pieris brassicae / rapae) oder dem Admiral (Vanessa atalanta).