Haltung und Zucht vom wilden Götterbaumspinner (Samia cynthia)

Kurzbeschreibung der Art

Samia cynthia ist ein großer Seidenspinner und ein Pfauenspinner Samia aus der Familie Saturniidae. Auf Deutsch wird die Art meist Götterbaumspinner oder Götterbaum-Spinner genannt, außerdem Ailanthusspinner. Typisch sind die oliv- bis braun gefärbten Flügel mit breiten rosigen Bändern und die halbmondförmigen, durchsichtigen Fensterflecken. Wie bei vielen Pfauenspinnern sind die Mundwerkzeuge stark reduziert, der Nachtfalter lebt als Falter nur kurz und konzentriert sich auf Paarung und Eiablage.

Natürliche Lebensweise

Die Art stammt aus Ost- und Südostasien und wurde im 19. Jahrhundert zusammen mit dem Götterbaum in viele Regionen eingeführt, teils im Kontext von Wildseide und Eri-Seide. Wo sie außerhalb ihres Ursprungsgebiets vorkommt, ist sie meist eng an das Vorkommen von Ailanthus altissima gebunden und taucht dadurch oft in Städten und Ruderalflächen auf. In Deutschland gab es Aussetzungen, diese Populationen sind wieder erloschen; stabilere Vorkommen findet man eher in klimatisch begünstigten Regionen Europas. ZB in Norditalien.

Der Lebensrhythmus ist klar: Der Schlupf erfolgt häufig am späten Vormittag, am Abend wird es aktiv. Weibchen beginnen meist noch am Schlupftag mit dem Rufen, die Paarung setzt typischerweise nach Einbruch der Dämmerung ein und kann viele Stunden dauern. Eier werden in Reihen oder gebogenen Gruppen an Blätter oder Zweige gesetzt. Jungraupen starten oft im Gruppenfraß und wechseln mit zunehmender Größe in eine eher einzelgängerische Phase.

Futterpflanzen für Götterbaumspinner

Für Samia cynthia Futterpflanzen gilt: Die Raupe frisst sehr zuverlässig an Götterbaum (Ailanthus altissima) und wächst darauf meist am stabilsten. Daneben werden in der Praxis und in der Literatur viele weitere Wirtspflanzen genannt, zum Beispiel Liguster (Ligustrum), Flieder (Syringa), Weide (Salix), Kirsche und andere Prunus-Arten (Prunus), Walnuss (Juglans regia), Esche (Fraxinus), Holunder (Sambucus), Eberesche (Sorbus), Forsythie (Forsythia), Goldregen (Laburnum anagyroides), Lorbeer (Laurus nobilis), Magnolie (Magnolia), Rizinus (Ricinus communis), Essigbaum (Rhus typhina), Amur-Korkbaum (Phellodendron amurense), Sägezahn-Eiche (Quercus acutissima), Japanischer Storax (Styrax japonicus), Kampferbaum (Cinnamomum camphora), Japanische Engelwurz (Aralia elata), Japanischer Pfeffer (Zanthoxylum piperitum), Brombeere (bedingt) und andere Rubus-Arten (Rubus) sowie Rose (Rosa).

Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) wird zwar immer wieder ausprobiert, ist aber als Standard-Futterpflanze heikel: Gerade in späteren Stadien kommt es damit häufiger zu unnötigen Ausfällen. Wenn möglich, bleibt die sicherste Strategie, auf Götterbaum, Liguster oder Flieder und ggf. Löwenzahn zu setzen und nur frisches, ungespritztes Laub zu verwenden.

Ein praktischer Merksatz hilft bei der Futterwahl: Die Götterbaum Ailanthus altissima Raupe findet sich leichter zurecht, wenn die Futterpflanze konstant bleibt, das Laub weich, sauber und nicht welk ist und die Zweige so angeboten werden, dass sie nicht austrocknen.

Vorbereitung

Plane zuerst die Futterversorgung: In der Hauptsaison klappt das mit frischen Zweigen sehr gut, in kühleren Zeiten lohnt es sich, Standorte für ungespritzten Liguster im Blick zu haben. Für den Start mit Eiern reicht ein sehr kleines, übersichtliches Setup. Eier werden in einem sehr kleinen Behälter gehalten (z. B. kleines Wasserglas), luftdicht mit Klarsichtfolie verschlossen, nur gelegentlich kurz lüften. Kondenswasser wird vermieden, indem der Behälter nicht in die Sonne gestellt wird und nur trockenes, sauberes Küchenpapier als Unterlage genutzt wird.

Für sehr kleine Stadien ist ein Jungraupen und Eier Behälter eine einfache, kontrollierte Lösung, weil Schlupf und erste Fraßspuren schnell sichtbar sind und die Tiere zusammenbleiben.

Für den Start reichen oft Glas/kleine Dose, Küchenpapier und passende Futterpflanzen. Ein Netz oder ein selbst gebautes Habitat macht es später einfacher und luftiger. Wer es besonders sauber und bequem möchte, kann ein Komplettset nutzen.

Aufzucht und Haltung

Nach dem Schlupf starten Samia cynthia Eier oft zügig in die Fraßphase, wenn die Futterpflanze wirklich passt und das Mikroklima gut ist. Die Raupen schlüpfen nach ca 14 Tagen aus den Eiern. Die Jungraupen bleiben anfangs gern in der Gruppe, später profitieren sie deutlich von mehr Platz und Luftbewegung. Als grobe Planung ist für Samia cynthia Raupe bis zur Spinnreife oft 35 Tage realistisch, bei kühler Haltung entsprechend länger.

Mit zunehmender Größe steigt die Kotlast stark an. Sauberkeit und Luft sind dann entscheidender als zusätzliche Feuchtigkeit: Futter wird regelmäßig erneuert, welke Reste und Kot werden entfernt, und die Tiere bekommen ausreichend Raum, um stressfrei zu wachsen. Wenn Raupen plötzlich still stehen oder kurzzeitig nicht fressen, ist das häufig eine Häutungsphase; wenn es länger anhält, helfen die typischen Fehlerquellen aus Wenn Raupen nicht fressen als schneller Check, ohne unnötig zu stören.

Damit Zweige länger frisch bleiben, werden Stiele in Wasser gestellt. Das geht mit Haushaltsmitteln, sauberer und auslaufsicher wird es mit einem Futterröhrchen mit Silikondeckel, weil die Feuchtigkeit im Behälter bleibt und Jungraupen nicht in eine offene Wasserstelle geraten.

Zur Verpuppung spinnt die Art einen länglichen, grobseidigen Kokon, meist in ein Blatt eingewickelt und häufig mit einem kleinen Stielchen am Zweig fixiert. Dieser Samia cynthia Kokon ist in vielen Linien zugleich die Überwinterungsform. Wer die Samia cynthia Puppe kühl durch die Ruhezeit führt, achtet auf kondensationsarme Lagerung und möglichst wenig Bewegung. Für die sichere Überwinterung ist Schmetterlingspuppen überwintern die passende Schritt-für-Schritt-Basis.

Paarung und Zucht von Götterbaumspinner

Samia cynthia Zucht gelingt oft unkompliziert, wenn die Falter frisch sind und genug Platz sowie ruhige Luftzirkulation haben. Samia cynthia Paarung beginnt typischerweise kurz nach Sonnenuntergang und kann bis in die Nacht dauern. Weibchen rufen am späten Nachmittag bis in die Nacht, die Eiablage erfolgt danach meist zügig und in größeren Serien. Pro Weibchen sind mehrere hundert Eier möglich, Samia cynthia Eier werden dabei häufig in Reihen oder gebogenen Gruppen an Blätter oder Zweige gesetzt.

Was noch zu sagen ist

Was noch zu sagen ist

Im Handel werden „Samia ricini“, „Eri-Seidenspinner“ und „Samia cynthia ricini“ oft parallel verwendet – biologisch ist das aber nicht egal. Für Zuchtplanung, Überwinterung und sogar Kokon/Seidencharakter ist entscheidend, ob du eine domestizierte Eri-Linie (ricini) oder eine freilebende/„wildere“ cynthia-Linie vor dir hast.

Freilebende Vorkommen: Samia cynthia kann lokal verwildert auftreten (typisch als Vorkommensinseln dort, wo Götterbaum bestandsbildend ist, z. B. in Teilen Südeuropas). Samia ricini ist dagegen eine Zuchtform aus der Seidenproduktion und baut in der Praxis keine stabilen Wildpopulationen wie eine „normale“ Freilandart auf.

Futter-Schwerpunkt: Samia cynthia wächst am zuverlässigsten auf Götterbaum (Ailanthus), Liguster und Prunus Arten. Samia ricini ist „futterflexibler“ in der Zucht.

Überwinterung/Diapause: Freilebende Samia cynthia zeigt häufig eine echte Winterruhe als Puppe im Kokon (Kältephase als normaler Teil des Jahreszyklus). Viele Eri-Linien (ricini) sind dagegen auf kontinuierliche Generationen in warmer Haltung selektiert und machen keine Winterdiapause.

Kokon, Seidenfarbe und Nutzung: Cynthia-Kokons sind oft graubraun bis „dirty-brown“ und hängen/liegen als robuste Überwinterungsform. Eri-Kokons werden in der Seidenpraxis häufig heller (creme bis gelblich) wahrgenommen und sind wegen der Kokonstruktur typischerweise nicht klassisch abhaspelbar; Eri-Seide wird deshalb meist gesponnen (statt als lange Filamente abgewickelt).

Ein praktischer Aha-Moment: Der „Götterbaumspinner“ hängt ökologisch stark am Götterbaum – dadurch entstehen diese typischen Stadt-/Ruderal-Vorkommensinseln. Den als invasiv geltenden Götterbaum sollte man dafür nicht extra anpflanzen; vorhandene Bestände erklären aber, warum die Art mancherorts plötzlich „da“ ist. 

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