Haltung und Zucht vom Abendpfauenauge (Smerinthus ocellata)

Kurzbeschreibung der Art

Smerinthus ocellata, das Abendpfauenauge, ist ein heimischer Nachtfalter aus der Familie der Schwärmer (Sphingidae). Der Falter wirkt zunächst unscheinbar graubraun marmoriert, zeigt bei Störung aber plötzlich die auffälligen Hinterflügel mit Augenflecken – genau dieser Moment ist der typische Aha-Effekt der Art. In der Literatur taucht auch die Schreibweise Smerinthus ocellatus auf. Als Falter besitzt die Art einen stark zurückgebildeten Saugrüssel, Blütenbesuche spielen daher praktisch keine Rolle, und die Lebensdauer als Falter bleibt meist kurz.

Natürliche Lebensweise

Das Abendpfauenauge besiedelt strukturreiche Landschaften mit Gehölzen, gern eher frisch bis feucht: Hecken, Feldgehölze, Uferbereiche, Auen, Weidenaufwuchs an Gräben sowie Parks und Gärten, wenn passende Futtergehölze vorhanden sind. In Mitteleuropa fliegen die Falter überwiegend im Frühjahr bis Frühsommer; meist gibt es eine Generation pro Jahr, eine Zweitgeneration Schwärmer kann in sehr warmen Jahren oder Regionen gelegentlich auftreten. Tagsüber sitzen die Tiere gut getarnt, aktiv wird die Art vor allem nachts. Das plötzliche Zeigen der Hinterflügel ist eine klare Abwehrstrategie, kurz gesagt: Schrecktracht Augenflecken.

Futterpflanzen für Abendpfauenauge

Die Abendpfauenauge Raupe frisst vor allem Laubgehölze, die in vielen Regionen leicht zu finden sind. Bewährt sind Weiden, besonders Salweide (Salix caprea), Silberweide (Salix alba), Korbweide (Salix viminalis) und Kriechweide (Salix repens), außerdem Pappeln wie Zitterpappel (Populus tremula), sowie Obstgehölze wie Apfelbaum und Wildapfel. Auch Traubenkirsche und Schlehe können je nach Angebot funktionieren, vereinzelt wird Esche akzeptiert. Im Alltag sieht man das oft sehr konkret als Raupe an Weide oder als Raupe an Apfelbaum, je nachdem, was im Umfeld steht. Wer es planbar mag, nutzt gern Zweige, die lange frisch bleiben – als Smerinthus ocellata Futterpflanze ist Apfel praktisch, weil die Blätter häufig stabiler bleiben als schnell welkende Weidenzweige.

Vorbereitung

Eier werden in einem sehr kleinen Behälter gehalten (z. B. kleines Wasserglas), luftdicht mit Klarsichtfolie verschlossen, nur gelegentlich kurz lüften.

Für den Start ist wichtig, dass die frisch geschlüpften Räupchen sofort Futter finden: ein kleiner Behälter, ein Stück Küchenpapier und ein kurzer, frischer Futterzweig reichen. Sobald die Raupen größer sind, wird mehr Luft und Platz entscheidend; dafür ist ein Aufzuchtnetz eine unkomplizierte, sehr luftige Lösung. Damit Zweige nicht schlapp machen, kann man Stiele sauber im Wasser führen; praktisch sind Futterröhrchen mit Silikondeckel, weil Wasser im Röhrchen bleibt und die Aufzucht trocken und hygienischer bleibt.

Für den Start reichen oft Glas/kleine Dose, Küchenpapier und passende Futterpflanzen. Ein Netz oder ein selbst gebautes Habitat macht es später einfacher und luftiger. Wer es besonders sauber und bequem möchte, kann ein Komplettset nutzen.

Aufzucht und Haltung

Die wichtigste Stellschraube ist ein trocken-luftiges Mikroklima: frisches Futter, gute Belüftung, und konsequente Hygiene. Alte Blätter und Kot werden regelmäßig entfernt, damit sich kein feucht-warmes Milieu bildet. Gerade bei Schwärmern führt zu viel Nässe in geschlossenen Boxen schnell zu Problemen; statt innen „nass zu sprühen“ ist es stabiler, das Futter über Wasserführung frisch zu halten und die Box sauber und luftig zu fahren. Die Raupen sitzen oft ruhig am Blatt, wachsen aber in klaren Schritten; ausgewachsen sind sie groß, leuchtend grün und tragen das typische Analhorn – eine große grüne Raupe mit blauem Horn bzw. "Stachel" sieht man nciht alle Tage.

Wenn eine Raupe plötzlich nicht frisst, ist das häufig kein Rätsel, sondern ein Setup-Thema: Behälter zu groß, Futter nicht frisch genug, falscher Schnittzeitpunkt oder Stress durch Feuchte. Eine kurze, nüchterne Fehlersuche spart am meisten Tiere; hilfreich ist dafür der Ratgeber Wenn Raupen nicht fressen – mögliche Ursachen & Tipps.

Paarung und Zucht von Abendpfauenauge

Für eine Smerinthus ocellata Zucht passt ein ruhiger, dunkler Nachtbereich mit ausreichend Platz am besten. Die Paarung erfolgt nachts; ein Weibchen kann durch seinen Duft Männchen anziehen, und nach erfolgreicher Paarung werden die Eier direkt an oder nahe den Futterpflanzen abgelegt, auch an Zweigen. Pro Weibchen sind hohe Eizahlen möglich, häufig deutlich über 100. Für die Eiablage helfen frische Weiden- oder Apfelzweige, damit die Weibchen sofort einen passenden Reiz haben.

Bei der Bestimmung von Raupen lohnt ein kurzer Realitätscheck, weil es Verwechslungen gibt: Laothoe populi vs Smerinthus ocellata ist ein klassischer Vergleich, da beide grüne Schwärmerraupen auf ähnlichen Gehölzen sitzen können. Beim Abendpfauenauge wirkt das Analhorn oft markant bläulich, und der Gesamteindruck ist meist „glatt und klar gezeichnet“ mit schrägen Seitenstreifen.

Was noch zu sagen ist

Entwicklungsdauern sind stark temperaturabhängig, lassen sich aber als robuste Orientierung fassen: Ei bis Schlupf meist 7 bis 14 Tage, Raupenphase häufig 30 bis 45 Tage. Danach folgt die Verpuppung im Boden; die Raupe gräbt sich dafür deutlich ein, grob 10 bis 20 cm sind ein sinnvoller Rahmen. Die Puppe überwintern ist der Normalfall, und der Schlupf erfolgt meist im folgenden Frühjahr. Ein seltener, aber vorkommender Sonderfall ist, dass einzelne Puppen länger ruhen oder bei sehr warmen Bedingungen eine abweichende Entwicklung zeigen.

Wer die Überwinterung planbar und sicher lösen möchte, findet in Puppen überwintern zwei praxistaugliche Wege, die sich bewährt haben.

Abendpfauenauge im Garten unterstützen

Wie man Abendpfauenauge in den garten lockt, funktioniert bei dieser Art vor allem über das, was wirklich limitiert: passende Raupenpflanzen und ungestörte Strukturen. Weiden und Pappeln in der Nähe, ein paar unaufgeräumte Ecken, und schon steigt die Chance, dass Falter zur Eiablage vorbeikommen. Der größte Hebel ist oft „Vielfalt schafft Vielfalt“: Ein Quadrat von mindestens ca 3 × 3 m, vorher gepflegt (z. B. Rasen), wird einfach in Ruhe gelassen. Mindestens 2 Jahre nicht mähen, nicht düngen, wenig betreten. Einfach nichts tun – und sich begeistern. Die Fläche sollte mehrere Jahre wild bleiben, weil dort viele Insekten überwintern; später kann man zurückpflegen und an anderer Stelle eine neue wilde Ecke zulassen.

Gifte im Garten helfen meist kaum und treffen schnell die Falschen. Wer Raupen bekämpfen will, sollte kurz hinterfragen, welcher Nachteil wirklich entsteht; oft reicht mechanisch entfernen. Ein Gespinst im Obstbaum lässt sich zum Beispiel mit einem kräftigen Wasserstrahl lösen, statt zu spritzen. Und weil das Abendpfauenauge ein heimischer Nachtfalter ist, spielt Lichtverschmutzung zusätzlich eine Rolle: Außenbeleuchtung reduzieren, Licht an Bewegung koppeln, Leuchten nach unten richten statt nach oben, unnötige Lampen abbauen. Je greller und kälter das Licht wirkt, desto stärker stört es; wärmere, bernsteinfarbene Lichtfarben sind in der Regel deutlich verträglicher. Spread the message: Schon ein kurzes Gespräch mit Nachbarn oder lokalen Entscheidungsträgern über weniger Licht, weniger Gifte und mehr wilde Ecken hat Wirkung, weil viele kleine Flächen zusammen wieder Lebensraum ergeben.

Wenn du das Abendpfauenauge selbst mal züchten willst, hier gibt es Eier: https://insektitaet.de/products/smerinthus-ocellata-abendpfauenauge