Haltung und Zucht vom Tagpfauenauge - Aglais io

Das Tagpfauenauge – Ein faszinierender Schmetterling für zuhause

Das Tagpfauenauge ist eine sehr gute Art für den Einstieg in die Schmetterlingszucht: robust, gut zu beobachten und mit klarer Futterpflanze. Wir gehen kurz auf Verbreitung und Lebensweise ein und zeigen dann eine einfache, sichere Aufzucht – ohne unnötigen Ballast.

Natürliche Lebensweise

Das Tagpfauenauge ist ein in Mitteleuropa weit verbreiteter, heimischer Tagfalter. Es überwintert als erwachsener Schmetterling und ist deshalb oft schon an den ersten milden Tagen im Frühjahr zu sehen – manchmal findet man ruhende Falter auch in kühlen Kellern, Schuppen oder Garagen. Die auffälligen Augenflecken auf den Flügeln dienen zur Abschreckung von Fressfeinden. Die Raupen leben anfangs gesellig in einem Gespinst und sind auf den Futterpflanzen oft als schwarze Raupen an Brennnessel gut zu entdecken.

Futterpflanzen für das Tagpfauenauge

In der Zucht fressen die Raupen des Tagpfauenauges zuverlässig Große Brennnessel (Urtica dioica). Am besten eignen sich frische, junge Triebe von sicher pestizidfreien Standorten. Im Handel und in Quellen wird teils auch Hopfen als Wirt genannt, in der Praxis bleibt Brennnessel aber die klare Standardwahl.

Vorbereitung

Für die Zucht des Tagpfauenauges ist keine komplizierte Vorbereitung nötig. Für den Start reichen oft Glas/kleine Dose, Küchenpapier und frische Brennnessel. Wenn du später etwas Luftigeres willst, ist ein selbst gebautes Habitat eine günstige Lösung – siehe Raupenhabitat selber bauen. Wichtig ist vor allem: klein starten (damit die Winzlinge nicht „verloren gehen“), sauber bleiben und Kondenswasser vermeiden.

Aufzucht und Haltung

Der Zyklus beginnt mit den Eiern, die bei Zimmertemperatur in einem sehr kleinen Behälter ausgebrütet werden (z. B. kleines Glas). Der Behälter wird mit Klarsichtfolie straff verschlossen, damit die winzigen Räupchen nicht entweichen; einmal täglich kurz lüften reicht meist. Ein kleines (!) Stück Küchenpapier am Boden hilft, Feuchte abzufangen – Eier dürfen nie nass liegen. Nicht auf Eier oder frisch geschlüpfte Räupchen sprühen. Je nach Temperatur schlüpfen sie oft innerhalb von etwa 1–3 Wochen. Die Räupchen sind extrem klein und anfangs kaum zu sehen – deshalb am Anfang wirklich klein und übersichtlich halten, zum Beispiel mit einem Jungraupen und Eier Behälter.

Nach dem Schlupf genügt ein sehr kleines Stück Brennnesselblatt (eher „briefmarkengroß“ als zu viel). Die schwarzen, stacheligen Jungraupen sind anfangs flink, setzen sich aber schnell fest, sobald sie fressen. Erste Fraßspuren und kleine Kotkügelchen sind ein gutes Zeichen. Häutungen gehören dazu: In dieser Phase nicht stören, nicht umsetzen und nicht „testen“, ob sie noch leben – einfach Ruhe geben.

Achte jetzt besonders auf saubere, trockene Bedingungen mit ausreichender Belüftung. Sobald die Räupchen sicher fressen, kann statt Folie ein luftiger Abschluss (z. B. Küchenpapier mit Gummiband) sinnvoll sein, damit nichts „schwitzt“. Entferne altes Futter regelmäßig und gib lieber öfter kleine, frische Stücke nach. Wenn Brennnessel schnell welk wird, helfen Zweige im Wasser – sauber und kippsicher wird das mit Futterröhrchen mit Silikondeckel.

Ab etwa 2 cm Körpergröße (oft ab dem dritten Larvenstadium) brauchen die Raupen mehr Platz und deutlich mehr Luftaustausch. Jetzt ist ein größeres, luftiges Setup ideal, damit Futter nicht muffig wird und du besser reinigen kannst – zum Beispiel ein Netzkäfig für Schmetterlinge und Raupen. Wichtig: weiter schattig stellen, keine direkte Sonne auf das Gehege.

Die Raupen fressen nun viel und wachsen schnell. Achte darauf, dass immer frische Brennnesseln verfügbar sind. Nach einigen Wochen suchen sie sich einen geeigneten Ort zur Verpuppung, klettern an Wänden oder Stängeln hoch und hängen sich kopfüber auf – das ist normal. Die Puppe sollte möglichst dort bleiben, wo sie entstanden ist. Wenn du umsetzen musst, dann nur sehr vorsichtig und so, dass der spätere Falter genügend Höhe hat, um die Flügel frei zu entfalten.

Nach ungefähr 1–3 Wochen (temperaturabhängig) schlüpfen die Falter. Sie pumpen ihre Flügel auf und können dabei eine rötliche Flüssigkeit absondern – das ist in der Regel ein normaler Stoffwechselrest (Meconium) und keine Verletzung. Manchmal entfalten sich Flügel nicht perfekt; das ist schade, kommt aber vor und ist nicht immer „ein Fehler“ in der Haltung.

Wenn du einen frisch geschlüpften Falter umsetzen möchtest, arbeite möglichst ohne Hektik: Licht etwas dimmen, ruhig bleiben, den Falter selbst aufsteigen lassen (nicht „anheben“ oder drücken). Tagpfauenaugen sind gute Flieger. Wenn du im Winter einen ruhenden Falter in der Wohnung findest: besser in einen kühlen, dunklen, trockenen Ort (z. B. unbeheizter Schuppen/Garage) bringen, damit er weiter zur Ruhe kommt, statt ihn warm „aktiv“ zu halten.

Haltung als Falter

Tagpfauenaugen kannst du für kurze Zeit in einem luftigen Netz beobachten. Als Futter eignet sich Zuckerwasser (1 Teil Zucker auf 10 Teile Wasser) oder reifes Obst (z. B. Apfel), sauber angeboten, damit nichts verklebt. Wichtig ist: lieber kurz beobachten und dann wieder passende Bedingungen schaffen, statt dauerhaft warm und trocken zu halten – besonders im Winterquartier ist Ruhe wichtiger als „Pflege“.

Was noch zu sagen ist

Die Zucht von Aglais io ist ein besonderes Erlebnis – gerade weil man Verhalten, Häutung und Metamorphose so gut beobachten kann. Das Tagpfauenauge ist heimisch und für eine naturverbundene Aufzucht gut geeignet, wenn man klein startet, sauber arbeitet und Kondenswasser vermeidet.

Wenn etwas hakt: Häufig sind es Kleinigkeiten wie zu großer Startbehälter oder unpassendes Futter. Eine schnelle, praxisnahe Fehlerliste findest du in Wenn Raupen nicht fressen – mögliche Ursachen & Tipps.

Im Shop findest du die Art direkt als Tagpfauenauge (Aglais io), wenn sie gerade verfügbar ist.