Haltung und Zucht vom Lindenschwärmer (Mimas tiliae)

Haltung und Zucht von Mimas tiliae – Lindenschwärmer

Kurzbeschreibung der Art

Der Lindenschwärmer ist ein heimischer Schwärmer mit großer Variabilität in Farbe und Zeichnung. Auffällig ist, dass die Falter wegen eines stark zurückgebildeten Saugrüssels praktisch keine Nahrung aufnehmen. Dadurch wirkt die Flugzeit oft kurz, und in der Lindenschwärmer Zucht zählt ein gut getaktetes Vorgehen mit Ruhe, Platz und passender Sitzstruktur.

Ein weiterer Aha-Moment ist der klare Wechsel kurz vor der Verpuppung: Die Lindenschwärmer Raupe verfärbt sich grau-bräunlich bis violett und beginnt ausgeprägt zu wandern. Das ist ein sehr zuverlässiges Signal, dass jetzt alles für das Lindenschwärmer verpuppen vorbereitet werden sollte.

Natürliche Lebensweise

Die Eiablage erfolgt meist abends oder nachts, häufig an Blattunterseiten der Futterbäume, einzeln oder in kleinen Gruppen. In vielen Regionen schlüpfen die Falter überwiegend im späten Frühling bis Frühsommer, südlicher kann es auch zwei Generationen geben. Die Art überwintert als Puppe im Boden.

Futterpflanzen für Lindenschwärmer

Bei den Lindenschwärmer Futterpflanzen stehen Linden (Tilia, mehrere Arten) besonders häufig und passend zum Namen im Vordergrund. Ebenfalls oft genannt werden Ulmen (Ulmus), Erlen (Alnus) und Prunus-Arten. Darüber hinaus werden in Literatur- und Praxisberichten wiederholt Birke (Betula), Eiche (Quercus), Hasel (Corylus), Ahorn (Acer), Sorbus (z. B. Vogelbeere), außerdem Apfel (Malus), Birne (Pyrus) und Esche (Fraxinus) berichtet. In südlicheren Verbreitungsräumen tauchen zusätzlich Walnuss (Juglans regia), Edelkastanie (Castanea sativa), Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) und Maulbeere (Morus) auf.

Am zuverlässigsten funktioniert meist die Pflanze, die die Raupen von Anfang an bekommen. Ein Wechsel ist möglich, aber nicht immer reibungslos. Neue Pflanzen zuerst mit wenigen Tieren testen und nur dann fortführen, wenn wirklich gefressen wird.

Vorbereitung

Eier werden in einem sehr kleinen Behälter gehalten (z. B. kleines Wasserglas), luftdicht mit Klarsichtfolie verschlossen, nur gelegentlich kurz lüften.

Für die Aufzucht sind frische, ungespritzte Blätter der gewählten Futterpflanze entscheidend. Bei großen Laubbäumen kippt Futter schnell durch Welke, Gärung oder Schimmel, deshalb lieber häufiger wechseln und sauber arbeiten. Wenn Zweige genutzt werden, hilft ein sicherer Wasserfuß, damit Blätter länger frisch bleiben und keine unnötige Nässe in den Behälter läuft, zum Beispiel mit einem Futterröhrchen mit Silikondeckel.

Für den Start reichen oft Glas/kleine Dose, Küchenpapier und passende Futterpflanzen. Ein Netz oder ein selbst gebautes Habitat macht es später einfacher und luftiger. Wer es besonders sauber und bequem möchte, kann ein Komplettset nutzen.

Aufzucht und Haltung

Für den Lindenschwärmer Ei Schlupf werden unter üblichen Bedingungen häufig 7 bis 10 Tage beschrieben. In kühlerer Umgebung kann es eher 14 Tage dauern. Direkt nach dem Schlupf fressen die Jungraupen zunächst zurückhaltend und werden dann mit jeder Häutung deutlich kräftiger.

Als grobe Lindenschwärmer Entwicklungsdauer für die Raupenphase werden in Praxisberichten oft rund 28 Tage genannt, bei sehr warmer, gleichmäßiger Haltung teils schneller, bei kühlerer entsprechend länger. Der größte Erfolgshebel bleibt konstantes, frisches Blattwerk bei guter Hygiene. Dauerhafte Nässe und Kondenswasser erhöhen das Risiko für Probleme, deshalb lieber kontrolliert und eher trocken-luftig führen.

Für eine stabile Aufzucht ist es hilfreich, die Tiere übersichtlich zu halten und Futter und Kot leicht kontrollieren zu können. Ein Jungraupen und Eier Behälter kann gerade in den ersten Tagen eine saubere, kompakte Lösung sein, vieles funktioniert aber auch mit einfachen Haushaltsbehältern.

Wenn die Raupen verpuppungsreif werden, wandern sie ab, verfärben sich grau-bräunlich bis violett und suchen Bodennähe. Jetzt braucht es ein lockeres, grabfähiges Substrat, nicht nass, aber auch nicht staubtrocken. Aus der Zuchtpraxis: für die Phase bis zur fertigen Puppe im Substrat dauert es häufig etwa 7 bis 14 Tage,  teil bis 21 Tage bis zur stabilen, gut entnehmbaren Puppe. Danach folgt die Überwinterung als Puppe; die Lindenschwärmer Puppe überwintern gelingt am besten kühl, frostfrei, mit Luftaustausch, ohne Staunässe und ohne Austrocknung. Puppen möglichst selten bewegen und nicht regelmäßig ausgraben, sondern nach einer Kontrolle in Ruhe lassen.

Beim späteren Umsetzen in ein luftigeres Setup ist ein Aufzuchtnetz eine bequeme Möglichkeit für gute Belüftung und einfachere Reinigung, es geht aber auch mit selbst gebauten Lösungen, wenn Luftzirkulation und Sauberkeit passen.

Paarung und Zucht von Lindenschwärmer

Die Lindenschwärmer Paarung gelingt in Gefangenschaft vergleichsweise gut, wenn frische Falter ausreichend Platz, Ruhe und geeignete Sitzstrukturen wie Zweige und Laub haben. In Beobachtungen wird eine sehr lange Kopula häufig um 20 Stunden beschrieben. Weibchen beginnen nach der Paarung meist bald nach Einbruch der Dämmerung mit der Eiablage.

Weil die Falter praktisch nicht fressen, ist ein langes „Füttern“ an Blüten weder nötig noch zielführend. In der Praxis ist es sinnvoller, die Bedingungen für Paarung und Eiablage zügig zu optimieren, statt Zeit mit Nektarangeboten zu verlieren. Das erklärt auch, warum die Art trotz ihres Schwärmer-Images nicht als typischer „Blütenbesucher“ auffällt; der englische Name Lime hawk-moth passt gut, aber das Verhalten unterscheidet sich klar von nektarsaugenden Schwärmern.

Was noch zu sagen ist

Für die Futterführung ist Frische wichtiger als Vielfalt. Wenn Raupen plötzlich nicht mehr fressen, ist das sehr oft kein Krankheitszeichen, sondern Vorverpuppung: Farbwechsel und Wandern sind dann die besseren Hinweise als hektisches Umstellen. Bei der Überwinterung gilt konservativ: kühl, frostfrei, gut belüftet, weder trocken noch feucht. Zu warm kann zu Fehlentwicklungen oder verfrühtem Schlupf führen.

Rechtlicher Hinweis (DE, allgemein): Der Lindenschwärmer ist ein wildlebendes Tier und unterliegt dem allgemeinen Schutz. Entnahme von Eiern, Raupen oder Puppen aus der Natur können je nach Bundesland, Gebietsschutz und Grundstücksrechten eingeschränkt sein. Im Zweifel gelten die jeweiligen regionalen Regelungen und Zuständigkeiten.

Lindenschwärmer im Garten unterstützen

Vielfalt schafft Vielfalt. Wer wilde Bereiche im Garten zulässt, bekommt automatisch Schmetterlinge. Das macht keine Arbeit. Ein Quadrat von mindestens 3 × 3 m, vorher gepflegt (z. B. Rasen), wird einfach in Ruhe gelassen. Mindestens 2 Jahre nicht mähen, nicht düngen, wenig betreten. Einfach nichts tun und sich begeistern. Die Fläche sollte mehrere Jahre wild bleiben, weil viele Insekten in der Streu, im Boden oder an Pflanzenresten überwintern. Später kann man wieder zurückpflegen und an anderer Stelle eine neue wilde Ecke zulassen.

Artspezifisch hilft vor allem eines: geeignete Futterbäume und -sträucher im Umfeld. Linden sind naheliegend, aber auch Ulme, Erle oder passende Laubgehölze können lokal wichtig sein. Ungespritztes Laub, wenig Störung in der Raupenzeit und ein Gartenbereich, in dem der Boden im Herbst und Winter nicht ständig umgegraben oder „tot aufgeräumt“ wird, unterstützen die Überwinterung im Erdreich. Laubstreu und lockere Bereiche am Gehölzrand helfen, weil die Puppen am Ende im Boden liegen und dort Ruhe brauchen.

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