Haltung und Zucht von Attacus atlas - Atlasspinner
Kurzbeschreibung der Art
Der Atlasspinner (Attacus atlas) ist einer der beeindruckendsten Schmetterlinge überhaupt – mit einer Flügelspannweite von bis zu 30 Zentimetern und einer Flügeloberfläche von rund 400 cm² hält er unter allen bekannten Schmetterlingsarten Weltrekord. Benannt nach dem Titan Atlas aus der griechischen Mythologie, gehört er zur Familie der Pfauenspinner (Saturniidae) und lebt in den tropischen und subtropischen Wäldern Süd- und Südostasiens, von Indien und Thailand über Südchina bis nach Malaysia und Indonesien. Die philippinische Form wird als Attacus lorquinii geführt.
Die Eier sind etwa 2,5 Millimeter groß und werden vom Weibchen bevorzugt auf der Blattunterseite geeigneter Futterpflanzen abgelegt. Aus ihnen schlüpfen nach rund zwei Wochen winzige Jungraupen, die von Anfang an gut erkennbare fleischige Rückenfortsätze tragen – bedeckt von einem weißlichen Wachsüberzug, der junge Tiere vor Fressfeinden schützt. Mit jeder Häutung wachsen die Raupen weiter und nehmen zunehmend eine blaugrüne Färbung an. Bis zur Verpuppung durchlaufen sie fünf, gelegentlich sechs Stadien und erreichen eine Länge von bis zu 11 Zentimetern. Kräftige Bauchbeine, schwarze dornenartige Höcker am Kopf und auffällige rote bis orangefarbene Ringe am Hinterleib machen ausgewachsene Tiere unverwechselbar. Das rasante, sichtbare Wachstum ist einer der Hauptgründe, warum der Atlasspinner in der Zucht so beliebt ist – das gesamte Projekt spielt sich buchstäblich vor den Augen ab.
Verpuppungsreife Raupen spinnen einen hellbraunen, pergamentartigen Kokon von etwa 3 × 8 Zentimetern – für einen Seidenspinnerkokon außerordentlich groß. Gelegentlich werden dabei Blätter zur besseren Tarnung mit eingeschlossen. Die enthaltene Seide wird als Fagaraseide bezeichnet; sie ist robuster als gewöhnliche Seide, besteht aber nicht aus einem einzigen langen Faden, sondern aus vielen kurzen Einzelfäden. Nach der Puppenruhe schlüpft der fertige Falter.
Der Falter selbst ist ein ruhiger, nachtaktiver Spinner mit rotbrauner Grundfärbung und gelblichen bis rosafarbenen Farbverläufen. Auf allen vier Flügeln finden sich charakteristische, dreieckige, schwarz umrandete Glasflecken – durchscheinende, unbeschuppte Stellen, die dem Tier einen sofort wiedererkennbaren Ausdruck verleihen. Noch einprägsamer sind die abgerundeten Spitzen der Vorderflügel: Muster und Kontur erinnern täuschend an Schlangenkopf-Silhouetten – eine wirkungsvolle Mimikry gegen Fressfeinde wie Vögel, Schlangen und Geckos. Männchen sind deutlich kleiner als Weibchen und besitzen stark gekämmte Fühler, mit denen sie Weibchen über erhebliche Distanzen aufspüren können. Die Aufzucht dieser Art gilt als unkompliziert – der Einstieg gelingt auch ohne Vorerfahrung und wird mit einem Schwierigkeitsgrad von rund 2 von 10 eingestuft.
Natürliche Lebensweise
In der Natur besiedelt Attacus atlas feuchtwarme tropische und subtropische Wälder, in denen Wärme, hohe Luftfeuchtigkeit und eine breite Auswahl an Futterpflanzen ganzjährig zur Verfügung stehen. Die Art ist nicht auf einen einzelnen Lebensraumtyp festgelegt, kommt aber in gestörten Habitaten und Waldrändern häufiger vor als im geschlossenen Primärwald. Männchen und Weibchen finden über Pheromone zueinander: Das Weibchen gibt Duftstoffe ab, die das Männchen dank seiner großen, gefiederten Fühler noch aus weiter Ferne wahrnehmen kann. Die Aktivitätsphase beginnt in der Dämmerung.
Die Entwicklungsdauern variieren je nach Temperatur, Linie und Futterpflanzenverfügbarkeit deutlich. Als Orientierungswerte bei warmer, stabiler Haltung um 24–27 °C: Die Eier schlüpfen nach etwa 2 Wochen. Die Raupenphase umfasst rund 7 Wochen, kann bei kühlen Bedingungen oder suboptimalem Futter aber spürbar länger dauern. Die Puppenruhe im Kokon beträgt im Regelfall 5 Wochen, kann sich aber – abhängig von Lichtbedingungen, Temperatur und Linie – erheblich verlängern, in manchen Fällen bis zu mehreren Monaten.
Futterpflanzen für den Atlasspinner
Der Atlasspinner ist ausgesprochen polyphag. In seiner Heimat frisst die Raupe eine Vielzahl von Pflanzen, darunter Rambutan (Nephelium lappaceum), Guave (Psidium guajava), Ceylon-Zimtbaum (Cinnamomum verum), Muntingia calabura und Zitrusgewächse. In der Zucht außerhalb der Tropen sind diese Pflanzen kaum greifbar, weshalb sich die Aufzucht auf robuste, gut verfügbare Alternativen stützt.
In der Praxis haben sich drei Futterpflanzen als besonders zuverlässig bewährt: Liguster (Ligustrum ovalifolium, L. vulgare), Kirschlorbeer/Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus) und Flieder (Syringa vulgaris). Die Atlasspinner-Raupe frisst Liguster in nahezu allen Entwicklungsstadien sehr gut; seine weichen Blätter sind vor allem für Jungraupen ideal, die sich am zarten Blattrand leicht durchnagen können. Kirschlorbeer ist wegen seiner großen, dicken Blätter besonders für ältere Raupen mit hohem Futterbedarf praktisch – bei sehr jungen Tieren kann es helfen, die harten Blätter zunächst in feine Streifen zu schneiden. Flieder wird ebenfalls gerne angenommen, ist aber saisonal begrenzt verfügbar. Als weitere bewährte Futterpflanze gilt der Götterbaum (Ailanthus altissima), der dort, wo er wächst, in der warmen Jahreszeit in großen Mengen geerntet werden kann und in der Zucht hervorragende Ergebnisse liefert.
Weitere in der Literatur und in Fachkreisen genannte Pflanzen, an denen der Atlasspinner frisst: Feuerdorn (Pyracantha), Ahorn (Acer), Ficus, Schefflera, Hibiskus (Hibiscus), Liquidambar, Rhododendron, Trauerweide (Salix babylonica) sowie – als Notfalloption im Winter – Brombeere (Rubus). Die Akzeptanz variiert je nach Linie; wer eine Pflanze wechselt, sollte das schrittweise und unter Beobachtung tun.
Grundsätzlich gilt: Das Futter muss frisch und nachweislich unbehandelt sein. Blätter von gespritzten Hecken oder Pflanzen aus Baumschulen unbekannter Herkunft sind ein häufiger Risikofaktor, der sich leicht vermeiden lässt. Winterzuchten mit immergrünen Pflanzen wie Liguster sind anspruchsvoller, da die Blätter durch biologische Frostschutzprozesse in ihrer Qualität deutlich nachlassen können – die erste Zucht gelingt daher in der wärmeren Jahreszeit wesentlich entspannter.
Vorbereitung
Eier werden am besten in einem sehr kleinen Behälter gehalten – ein Wasserglas oder eine kleine Dose reicht vollkommen aus. Den Behälter luftdicht mit Klarsichtfolie verschließen und nur gelegentlich kurz lüften; so bleibt das Mikroklima stabil, ohne dass die Eier austrocknen oder Schimmel begünstigt wird. Wer den Schlupf und die ersten Fraßspuren der Jungraupen zuverlässig im Blick behalten möchte, ohne die Tiere beim Öffnen zu gefährden, findet im Jungraupen- und Eierbehälter eine praktische Lösung.
Zweige im Wasser zu stellen verlängert die Frische des Futters deutlich. Futterröhrchen mit Silikondeckel sind dafür besonders geeignet, weil kaum Wasser ausläuft und die Umgebung trocken bleibt – ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn Schimmel vermieden werden soll.
Sobald die Atlasspinner-Raupen größer werden, steigt der Platzbedarf und vor allem die Anforderung an die Belüftung. Ein Aufzuchtcube bietet hier einen guten Schritt nach vorne: deutlich luftiger als ein geschlossener Startbehälter, ohne dass Futter sofort austrocknet oder die Raupen unnötig exponiert sind. Wer lieber selbst baut, findet unter Raupenhabitat selber bauen eine praxistaugliche Anleitung.
Für den Start reichen oft Glas/kleine Dose, passende Futterpflanzen. Ein Netz oder ein selbst gebautes Habitat macht es später einfacher und luftiger. Wer es besonders sauber und bequem möchte, kann ein Komplettset nutzen.
Aufzucht und Haltung
Der Atlasspinner fühlt sich bei Temperaturen zwischen 20 und 30 °C wohl; optimale Ergebnisse werden häufig im Bereich von 24–27 °C erzielt. Noch wichtiger als die genaue Temperatur ist die Kombination aus Hygiene und Belüftung: Futter regelmäßig wechseln, Kot und Futterreste konsequent entfernen und keine dauerhaft feuchte Umgebung entstehen lassen. Zu viel Nässe ist der bei weitem häufigste Auslöser für Schimmelverluste – gerade bei dieser Gattung funktioniert ein sauberes, luftiges Setup zuverlässiger als ein dauerhaft feuchtes. Wenn überhaupt befeuchtet wird, dann so, dass kein Kondenswasser stehen bleibt.
Bis zum dritten Larvenstadium können die Raupen gut in einem übersichtlichen, kleineren Behälter gehalten werden. Ab Stadium L4 wächst der Futterbedarf enorm – hier empfiehlt sich der Wechsel in einen deutlich größeren, gut belüfteten Käfig mit eingestellten Futterästen. Wenn frisch geschlüpfte Jungraupen das Futter zunächst nicht annehmen, liegt das in den meisten Fällen nicht an der Raupe selbst, sondern an äußeren Faktoren: Behälter zu groß, Futter ungeeignet oder zu wenig Orientierungsmöglichkeiten. Das Troubleshooting Wenn Raupen nicht fressen – mögliche Ursachen & Tipps hilft dabei, die häufigsten Ursachen schnell einzugrenzen, bevor man unnötig herumprobiert.
Verpuppungsreife Raupen erkennt man daran, dass sie die Nahrungsaufnahme einstellen, unruhig werden und einen geeigneten Platz suchen. Ab diesem Moment nichts mehr am Setup verändern und die Tiere in Ruhe spinnen lassen – Störungen während des Einspinnens können zu Fehlverpuppungen führen. Der fertige Kokon ist stabil und kann liegend gehalten werden.
Beim Schlupf des Falters zählt die erste Minute: Direkt nach dem Verlassen des Kokons braucht der Atlasspinner Klettermöglichkeiten, um die Flügel ohne Bodenkontakt frei aufzupumpen und aushärten zu lassen. Zweige, eine strukturierte Netzwand oder aufgeraute Oberflächen erfüllen diesen Zweck – eine glatte, senkrechte Wand reicht dagegen nicht aus. Die Flügelentfaltung ist in etwa 20 Minuten abgeschlossen, entscheidet aber über die Qualität des fertigen Falters. Wer dafür ein praxisbewährtes Setup bauen möchte, findet unter Schlupfkasten selber bauen eine konkrete Anleitung, die typische Flügelschäden zuverlässig vermeidet.
Paarung und Zucht von Atlasspinnern
Das Weibchen setzt sich nach dem Schlupf meist still in der Nähe des Kokons ab und gibt Pheromone ab – idealerweise an einer gut angeströmten Stelle im Käfig. Männchen sind aktiver und können das Signal dank ihrer gefiederten Fühler über weite Distanzen aufnehmen. In der Zucht fliegen sie kaum, sind aber in der Dämmerung deutlich lebhafter als tagsüber.
Die wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Paarung sind Platz, Ruhe, ausreichend Luftbewegung – und vor allem zeitliche Überlappung, denn das Zeitfenster ist eng. Wenn beide Geschlechter vorhanden sind, sich aber nicht finden, liegt es häufig daran, dass ein Tier zu spät geschlüpft ist, der Käfig zu klein oder zu unruhig ist, oder die Temperatur nicht stimmt. Ein Paarungskäfig von mindestens 60 × 60 × 60 cm hat sich bewährt. Geschwister können sich problemlos paaren, weshalb Inzucht bei geschlossenen Zuchten im Blick behalten werden sollte. Attacus atlas lässt sich bei Bedarf auch per Handpaarung kopulieren – sinnvoll, wenn die Schlupfzeiten der Geschlechter auseinanderfallen.
Für die Eiablage braucht das Weibchen keine lebende Pflanze im Käfig; es akzeptiert leicht strukturierte Flächen wie Papierstreifen, Netzwände oder trockene Zweige. Unverpaarte Weibchen legen ebenfalls Eier ab, diese sind jedoch unbefruchtet. Wer eine gezielte Nachzucht betreibt, sollte Datum, Elterntiere und Charge von Anfang an sauber beschriften – das erleichtert späteres Troubleshooting erheblich.
Was noch zu sagen ist
Der Atlasspinner ist ein Schmetterlingsprojekt, das von Anfang an fast nichts gegen eine erfolgreiche Aufzucht hat – vorausgesetzt, die Grundlagen stimmen: sauberer Behälter, frisches Futter, ruhiger Standort und ausreichend Belüftung. Die häufigsten Fehler zu Beginn sind ein zu großer Startbehälter, dauerhaft zu feuchte Haltung und minderwertiges Futter aus der Winterzeit. Mit etwas Planung lassen sie sich alle vermeiden. Ein Profi-Setup ist nicht nötig; einfache Haushaltsmittel reichen für den Einstieg vollkommen aus, solange sie sauber gehalten werden.
Schaue nach, ob aktuell Eier verfügbar sind: Atlasfalter (Attacus atlas)
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