Haltung und Zucht vom Gabelschwanz (Cerura vinula)
Kurzbeschreibung der Art
Der Große Gabelschwanz, Cerura vinula, ist ein heimischer Nachtfalter aus der Familie der Zahnspinner. Er gehört zu den markantesten europäischen Raupenarten und bleibt vor allem durch seine ungewöhnliche Abwehrhaltung, die gegabelten Schwanzfortsätze und den extrem festen Kokon in Erinnerung. Der Falter erreicht meist eine Flügelspannweite von etwa 58 bis 75 mm. Seine Vorderflügel sind weißlich bis graugelb mit dunklen, welligen Querlinien gezeichnet, der Körper ist dicht behaart und weißgrau, der Hinterleib trägt schwarze Querbinden. Dadurch wirkt der Falter weich und fast etwas katzenartig.

Die Eier sind glatt, halbkugelig, etwa 1,5 mm groß und schokoladenbraun bis sehr dunkel. Sie werden meist einzeln oder in kleinen Gruppen auf die Blattoberseite gelegt. Die frisch geschlüpfte Raupe ist zunächst schwarz und noch recht unscheinbar. Später wird die Raupe vom Gabelschwanz hellgrün mit einer auffälligen schwarzbraunen, weiß eingefassten Rückenzeichnung. Hinter dem Kopf sitzt ein roter Bereich mit dunkler Zeichnung, am Hinterende die typische Schwanzgabel. Aus ihr kann die Raupe bei Störung rote Fäden ausstülpen. Ausgewachsene Tiere werden meist bis etwa 7 cm lang, einzelne Raupen auch etwas größer. Kurz vor der Verpuppung verfärbt sich die Raupe dunkel rotbraun.
Die Puppe ist dunkelbraun, kräftig gebaut und liegt in einem sehr harten, flachen, eiförmigen Kokon, der mit Rinden- oder Holzteilchen verstärkt wird. Dieser Kokon ist so fest und gut getarnt, dass er an der Futterpflanze leicht übersehen wird.
Natürliche Lebensweise
Der Große Gabelschwanz ist in weiten Teilen Europas, in gemäßigten Teilen Asiens und regional auch in Nordafrika verbreitet. In Deutschland ist er eine heimische Art. Besonders gut passt er zu lichten Gehölzbereichen mit Weiden und Pappeln, etwa an Waldrändern, Flussufern, Kiesgruben, jungen Sukzessionsflächen, Parkrändern oder anderen warmen, eher offenen Standorten. Auffällig ist, dass die Raupe oft nicht hoch oben in alten Bäumen sitzt, sondern gern an niedrigen, gut besonnten Junggehölzen gefunden wird.
In Mitteleuropa fliegt meist eine Generation pro Jahr. Die Falter erscheinen ungefähr von April bis August, der Schwerpunkt liegt meist zwischen Mai und Juli. Die Eier schlüpfen meist nach etwa 14 Tagen. Die Raupenzeit liegt ungefähr von Mai bis September. Die Raupe durchläuft 5 Larvenstadien und frisst über mehrere Wochen. Die Puppe überwintert im Kokon und schlüpft in der Regel im folgenden Frühjahr oder Frühsommer. Manchmal überliegt sie jedoch deutlich länger, teils über mehr als einen Winter.
Biologisch besonders auffällig ist das Abwehrverhalten der Raupe. Sie zieht bei Störung den Kopf ein, präsentiert den roten Kopfkragen mit dunkler Zeichnung, bewegt die Schwanzfäden und kann zusätzlich ein stark saures Wehrsekret versprühen. Dazu kommt eine bemerkenswerte Spezialisierung auf Weiden und Pappeln: Cerura vinula frisst Pflanzen, deren Blätter chemisch gut geschützt sind, und die Raupe kann mit diesen Stoffen sehr gut umgehen.
Futterpflanzen für Großen Gabelschwanz
Die Raupe vom Großen Gabelschwanz frisst vor allem Weiden und Pappeln. Besonders bewährt haben sich Zitterpappel oder Espe (Populus tremula) und Salweide (Salix caprea). Ebenfalls beschrieben und gut passend sind Schwarzpappel (Populus nigra), Silberpappel (Populus alba), weitere Pappelarten, Bruchweide (Salix fragilis), Silberweide (Salix alba), Mandelweide (Salix triandra), Korbweide (Salix viminalis), Purpurweide (Salix purpurea), Reifweide (Salix elaeagnos), Kriechweide (Salix repens) sowie weitere Weidenarten. Für die praktische Haltung ist wichtig, dass die Futterpflanze wirklich frisch, unverwelkt und möglichst jung ist. Wenn die Raupe von Cerura vinula nicht frisst, liegt es oft eher an Blattqualität, Mikroklima oder Umsetzstress als daran, dass die Art plötzlich eine ganz andere Pflanze möchte. Eine genauere Einordnung dazu findest du im Artikel Wenn Raupen nicht fressen – mögliche Ursachen & Tipps.
Vorbereitung
Für Eier und die ersten Tage nach dem Schlupf ist ein sehr kleiner Behälter sinnvoll, zum Beispiel ein kleines Glas. Er wird luftdicht mit Klarsichtfolie verschlossen und nur gelegentlich kurz gelüftet. Gerade in dieser frühen Phase hilft das ruhige Mikroklima enorm. Dazu kommen frische Blätter der passenden Futterpflanze in kleiner Menge, damit nichts unnötig welkt oder das Klima kippt. Für größere Raupen ist später mehr Luft wichtig. Dann funktioniert ein luftiger Behälter, ein Netz oder ein einfach gebautes Gehölz-Setup deutlich besser. Wer sich bei Größe, Belüftung und Mikroklima unsicher ist, findet unter Die richtigen Zuchtbehälter eine gute Orientierung.
Für den Start reichen oft Glas/kleine Dose, passende Futterpflanzen. Ein Netz oder ein selbst gebautes Habitat macht es später einfacher und luftiger. Wer es besonders sauber und bequem möchte, kann ein Komplettset nutzen.
Aufzucht und Haltung
Die Aufzucht ist gut machbar, wenn Futterqualität, Mikroklima und Verpuppung stimmen. In den ersten Stadien sitzt die Raupe am besten ruhig und sauber auf Schnittfutter in einem kleinen Behälter. Zu häufiges Umsetzen stört eher. Später kann man die Tiere in ein luftigeres Setup überführen. Frische Zweige der Futterpflanze sind dann ideal. Sehr nasses Futter in kühler, feuchter Umgebung ist ungünstig, ebenso muffige Behälter oder dauerhaft stehende Feuchtigkeit. Die Raupe vom Gabelschwanz reagiert deutlich besser auf saubere, frische Bedingungen als auf irgendeine komplizierte Spezialtechnik.
Für die Verpuppung braucht Cerura vinula etwas Festes. Die Raupe nagt kurz vor der Verpuppung an Rinde oder holzigen Strukturen und baut daraus ihren ungewöhnlich harten Kokon. In der Haltung sollte deshalb Rinde, Holz oder ein ähnlich passendes Material angeboten werden. Wird dieser Punkt übersehen, verschenkt man oft die besten Tiere kurz vor dem Ziel.
Die Puppe überwintert im Kokon. Wichtig ist eine kühle, natürliche Überwinterung mit leichter Feuchte, ohne Wärme und ohne Austrocknung. Wer das Thema vertiefen möchte, findet unter Schmetterlingspuppen überwintern eine gute praktische Übersicht. Überlieger sind bei dieser Art möglich. Ein Kokon, aus dem im ersten Frühjahr nichts schlüpft, ist deshalb nicht automatisch verloren.
Beim Schlupf braucht der frische Falter Halt zum Hochklettern. Glatte Wände sind ungünstig. Besser sind Netz, Zweige, Rinde oder andere raue Flächen, damit der Falter sicher hochklettern und seine Flügel ungestört entfalten kann. Der Kokon kann dabei ruhig am Boden oder an einer passenden Struktur liegen, solange direkt nach dem Schlupf genug Klettermöglichkeit vorhanden ist.
Paarung und Zucht von Großem Gabelschwanz
Die Paarung von Cerura vinula gelingt in Gefangenschaft meist recht gut. Die Art gilt in dieser Hinsicht eher als kooperativ. Die Kopula findet nachts statt. Ebenso die Eiablage, oft etwas verteilt auf mehrere Blätter. Für eine erfolgreiche Nachzucht ist vor allem wichtig, dass die Tiere ruhig sitzen, nicht ständig gestört werden und anschließend sofort wieder passende Weide oder Pappel zur Verfügung steht. Die eigentliche Schwierigkeit liegt meist weniger in der Paarung als in einer sauberen Raupenaufzucht und in einer gelungenen Verpuppung mit anschließender Überwinterung.

Was noch zu sagen ist
Der Große Gabelschwanz ist ein besonders eindrucksvoller heimischer Nachtfalter, weil hier viele auffällige Eigenschaften zusammenkommen: ein flauschig wirkender Falter, eine Raupe mit Scheinaugen, Schwanzgabel und rotem Drohmuster, ein starkes Wehrsekret und ein extrem fester Kokon. Dazu kommt, dass die Art eng an Weiden und Pappeln gebunden ist. Gerade deshalb wirkt sie in der Zucht sehr besonders, bleibt aber mit einem einfachen, sauberen Setup gut beherrschbar.
In Deutschland gilt der Große Gabelschwanz derzeit als ungefährdet. Langfristig zeigt sich aber ein Rückgang, vor allem dort, wo strukturreiche Gehölzsäume, junge Weiden- und Pappelbestände oder offene Übergangsbereiche ausgeräumt werden. Häufig ist die Art also nicht deshalb im Rückgang, weil plötzlich alle Falter verschwinden, sondern weil Raupenlebensräume fehlen oder zu stark gepflegt werden.
Großen Gabelschwanz im Garten unterstützen
Wer den Großen Gabelschwanz im Garten unterstützen möchte, hilft am besten nicht nur allgemein Schmetterlingen, sondern ganz konkret der Raupe und ihrer Futterpflanze. Ein guter Einstieg dazu ist der ausführliche Artikel Schmetterlingen im Garten helfen. Für Cerura vinula bedeutet das vor allem: Weiden und Pappeln zulassen oder gezielt pflanzen, besonders an sonnigen Randbereichen, in wilden Ecken oder an weniger streng gepflegten Gartenteilen. Niedrige, junge Gehölze sind oft besonders wertvoll, weil die Raupe dort ein günstiges Mikroklima findet. Wer wissen möchte, wie man Gabelschwanz in den Garten lockt, denkt deshalb weniger an Blütenbeete und mehr an passende Gehölzstrukturen.
Vielfalt schafft Vielfalt. Schon eine kleine wilde Ecke mit aufkommenden Weiden, ein nicht ständig geschnittener Randbereich oder ein lockerer Gehölzsaum kann deutlich mehr bringen als ein perfekt aufgeräumter Garten. Das macht oft kaum Arbeit. Wichtig ist, nicht jede junge Weide sofort zu entfernen und auch einmal etwas stehen zu lassen. Weil die Raupe an Gehölzen frisst, sind für diese Art nicht in erster Linie Nektarpflanzen der limitierende Faktor, sondern geeignete Lebensräume für die Raupen.
Hilfreich ist außerdem eine flache, sichere Feuchtstelle mit nassem Sand oder einer dauerhaft leicht feuchten Ecke im Garten. Tiefe Tränken bringen Insekten wenig und sind eher riskant. Gerade in trockenen Sommern verbessert etwas Feuchte das Mikroklima rund um junge Gehölze deutlich.
Keine Gifte im Garten einzusetzen, ist hier besonders wichtig. Insektizide schaden schnell auch den Raupen heimischer Nachtfalter. Das gilt nicht nur für harte Mittel, sondern auch für manche als harmlos beworbenen Produkte. Bt trifft viele Schmetterlingsraupen ebenfalls. Wer Raupen an Gehölzen bekämpfen möchte, sollte erst einmal hinterfragen, welcher echte Schaden überhaupt entsteht. Vieles reguliert sich von selbst. Wenn irgendwo tatsächlich eingegriffen werden muss, sind mechanische Lösungen meist sinnvoller als Gi
Weil der Große Gabelschwanz ein heimischer Nachtfalter ist, spielt auch Lichtverschmutzung eine Rolle. Helle Dauerbeleuchtung am Haus, an Wegen oder im Garten stört nachtaktive Falter unnötig. Sinnvoller sind Bewegungsmelder, gezielt nach unten gerichtete Lampen, möglichst wenig unnötige Beleuchtung und eine wärmere, bernsteinfarbene Lichtfarbe statt grellem Weiß. Je greller und flächiger das Licht, desto ungünstiger ist es für die Tiere.
Auch Verpuppungsplätze sollten im Garten nicht unnötig beseitigt werden. Wenn an Weiden oder Pappeln einmal ein harter, flacher Kokon sitzt, sollte er möglichst in Ruhe bleiben. Radikales Abschaben, Säubern oder Entfernen von Rinde kann hier direkt die Überwinterung zerstören. Spread the message: Rede mit Nachbarn, Freunden oder auch Entscheidungsträgern darüber, wie viel schon durch mehr Gehölzstruktur, weniger Licht und weniger Perfektionsdrang im Garten gewonnen werden kann.
Wer die Art selbst beobachten oder nachziehen möchte, findet den Großen Gabelschwanz bei Insektitaet. Praktisch sind dabei vor allem ein Netzkäfig für Schmetterlinge und Raupen für die luftige Haltung größerer Raupen und den sicheren Schlupf sowie Futterröhrchen mit Silikondeckel, wenn Zweige der Futterpflanze sauber und länger frisch stehen sollen. Vieles funktioniert auch mit einfachen Haushaltsmitteln, Zubehör macht die Aufzucht vor allem bequemer und sauberer.
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